Annabell Herwarth (r.) und Julia Weiß treiben setzen gezielt Impulse für den interdisziplinären Austausch zwischen Planung, Handwerk und Industrie.

Annabell Herwarth (r.) und Julia Weiß treiben setzen gezielt Impulse für den interdisziplinären Austausch zwischen Planung, Handwerk und Industrie. (Foto: © Landesmesse Stuttgart)

Die R+T als Plattform für die Gebäudehülle der Zukunft

Die R+T gilt seit Jahrzehnten als internationale Leitplattform für Innovationen rund um Rollladen, Tore und Sonnenschutz.

Doch längst geht es nicht mehr nur um Technik und Produkte – die Gebäudehülle entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Schnittstelle zwischen Architektur, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Welche Rolle Architektinnen und Planer dabei spielen und wie die Messe diesen Wandel aktiv mitgestaltet, erläutern Annabell Herwarth und Julia Weiß im Gespräch.

Als Managerinnen für Messe- und Eventleitung bei der Landesmesse Stuttgart GmbH & Co. KG treiben sie die strategische Weiterentwicklung der R+T maßgeblich voran und setzen gezielt Impulse für den interdisziplinären Austausch zwischen Planung, Handwerk und Industrie.

RTS: Die R+T ist seit über 60 Jahren die Weltleitmesse für Rollladen, Tore und Sonnenschutz. Welche Rolle spielt das Thema Architektur für die Messe und wie hat sich diese Bedeutung in den letzten Jahren entwickelt?
Annabell Herwarth: Unser Kern ist nach wie vor das Handwerk und die Industrie, aber wir haben erkannt, dass die Gebäudehülle nicht nur eine technische, sondern vor allem auch eine planerische Aufgabe ist. Architekten und Planer entscheiden maßgeblich darüber, welche Systeme zum Einsatz kommen. Deshalb haben wir in den letzten Jahren gezielt Formate entwickelt, um diese Zielgruppe stärker anzusprechen und den Dialog zwischen Planung, Handwerk und Industrie zu fördern.

Foto: © Thomas Wagner / Messe StuttgartFoto: © Thomas Wagner / Messe Stuttgart

RTS: Welche konkreten Angebote schafft die R+T 2027, um diesen Dialog zu fördern und wie sind die Aussteller daran beteiligt?
Julia Weiß: Wir haben verschiedene Formate entwickelt, die genau diese Brücke schlagen. Ein zentrales Element ist der Future Skins Award, den wir erstmals 2027 vergeben. Dieser Wettbewerb richtet sich an Studierende und lädt sie ein, visionäre Konzepte für klimapositive Gebäudehüllen zu entwickeln. Die prämierten Projekte werden während der Messe präsentiert. Das ist hochinteressant, weil wir sehen, in welche Richtung die nächste Generation denkt.
Annabell Herwarth: Darüber hinaus gibt es im Rahmen von Archikon, dem von der Architektenkammer Baden-Württemberg organisierten Landeskongress für Architektur und Stadtentwicklung, der parallel zur R+T stattfindet, verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten für Unternehmen. Neben der inhaltlichen Einbindung in ausgewählte Seminare sind das beispielsweise die von der Architektenkammer Baden-Württemberg kuratierten Projektrundgänge. Dabei werden realisierte Projekte direkt an den Ausstellerständen vorgestellt: Die jeweiligen Architektinnen und Architekten präsentieren gemeinsam mit den Herstellern, wie bestimmte Lösungen in der Praxis umgesetzt wurden. Das ist für beide Seiten extrem wertvoll. Die Unternehmen können sich aktiv einbringen, indem sie solche Referenzprojekte zeigen. Es gibt zusätzlich die Möglichkeit, planungsrelevante Produkte mit dem Label "Products for Architects" vor Ort auf der Messe und im Online-Ausstellerverzeichnis zu kennzeichnen. Dieses Label hilft Interessierten, sich auf der Messe gezielt zu orientieren.

RTS: Was steckt hinter der Idee des Future Skins Award, und warum richtet sich der Award an den Nachwuchs?
Annabell Herwarth: Der Future Skins Award ist uns ein echtes Herzensthema. Wir wollen junge Menschen für das Thema Gebäudehülle begeistern und zwar nicht nur aus gestalterischer, sondern auch aus technischer und ökologischer Sicht. Studierende der Architektur, des Bauingenieurwesens und verwandter Disziplinen sind aufgerufen, visionäre Konzepte für klimapositive Gebäudehüllen zu entwickeln. Die besten Arbeiten werden prämiert und im Rahmen der R+T 2027 unserem Fachpublikum präsentiert. Der Nachwuchs ist die Zukunft unserer Branche – das gilt für Architekten genauso wie für Handwerker. Mit dem Award wollen wir zeigen, dass die Gebäudehülle ein spannendes, zukunftsrelevantes Thema ist. Und wir wollen die Studierenden mit der Praxis in Kontakt bringen.

RTS: Welche Rolle spielt die Gebäudehülle heute im Kontext von Klimaschutz und Energieeffizienz und in welchem Verhältnis stehen Rollladen, Sonnenschutz und Tore dazu?
Julia Weiß: Die Gebäudehülle ist absolut zentral. Automatisierte Sonnenschutzsysteme können die für Klimaanlagen benötigte Kühlenergie signifikant reduzieren oder sogar vermeiden. Das spart Kosten und reduziert CO₂-Emissionen. Gleiches gilt für Tore: Schnelllauftore beispielsweise minimieren Öffnungszeiten und senken dadurch den Energieverbrauch sowohl im Winter als auch im Sommer. Für die Glas- und Fensterbranche bedeutet das enormes Potenzial: Hochleistungsverglasung kombiniert mit intelligentem Sonnenschutz schafft Synergien, die die Gebäudeperformance erheblich verbessern. Die R+T ist die Plattform, auf der diese integrierten Lösungen präsentiert und diskutiert werden.

Archikon wechselt vom bisherigen Zwei-Jahres-Rhythmus in einen Drei-Jahres-Turnus und wird künftig immer parallel zur R+T stattfinden. Foto: © Jan Potente / Martin StollbergArchikon wechselt vom bisherigen Zwei-Jahres-Rhythmus in einen Drei-Jahres-Turnus und wird künftig immer parallel zur R+T stattfinden. Foto: © Jan Potente / Martin Stollberg

RTS: Parallel zur R+T 2027 findet Archikon statt – der Landeskongress für Architektur und Stadtentwicklung. Welche Synergien ergeben sich durch den neuen Drei-Jahres-Turnus?
Annabell Herwarth:
Archikon wechselt vom bisherigen Zwei-Jahres-Rhythmus in einen Drei-Jahres-Turnus und wird künftig immer parallel zur R+T stattfinden. Das ist strategisch von Vorteil, denn so können Architekten und Planer den Kongress mit einem Messebesuch verbinden. Sie bekommen vormittags hochkarätige Vorträge und Diskussionen zu aktuellen Themen wie Klimaresilienz oder nachhaltiges Bauen und können im Anschluss auf der Messe die passenden Produkte und Lösungen entdecken. Die angesprochenen Projekt-Rundgänge zeigen dabei beispielweise, wie Theorie und Praxis Hand in Hand gehen können.

RTS: Viele Handwerksbetriebe fragen sich sicher, wie sie von diesem Architektur-Fokus profitieren können. Was empfehlen Sie?
Annabell Herwarth: Mein Tipp: Nutzen Sie die R+T 2027, um sich weiterzubilden und Kontakte zu knüpfen. Wer heute mitreden kann bei Themen wie Gebäudeautomation, Energieeffizienz oder nachhaltigen Materialien, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil. Aussteller haben wie gesagt die Möglichkeit ihre planungsrelevanten Produkte mit dem Label "Products for Architects" zu kennzeichnen. Das ist auch für Handwerker interessant, denn es zeigt, welche Systeme bei Planern gefragt sind. Insgesamt kann man sagen, dass ein frühzeitiger, interdisziplinärer Austausch zwischen allen am Bau beteiligten Akteuren insbesondere zwischen ausführenden Handwerksbetrieben sowie Planerinnen, Planern und Architekturschaffenden, von zentraler Bedeutung ist. Bereits in einer frühen Projektphase schafft diese Zusammenarbeit die Grundlage für eine zielgerichtete, effiziente und zugleich wertschätzende Umsetzung von Bauvorhaben. Sie fördert ein gemeinsames Verständnis für Anforderungen und Potenziale und stärkt zugleich die Qualität der Ergebnisse sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten.

RTS: Welche Trends erwarten Sie auf der R+T 2027 an der Schnittstelle zwischen Architektur, Sonnenschutz und Torsystemen?
Julia Weiß: Definitiv das Thema Digitalisierung und Smart Building. Gebäudeautomation wird immer wichtiger – Systeme, die sich automatisch an Wetter, Tageszeit und Nutzung anpassen. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird weiter an Bedeutung gewinnen: recycelbare Materialien, kreislauffähige Produkte, CO₂-reduzierte Herstellung.
Annabell Herwarth: Und natürlich adaptive Fassaden. Also Gebäudehüllen, die nicht statisch sind, sondern dynamisch auf äußere Einflüsse reagieren. Das können bewegliche Lamellensysteme sein, textile Fassaden oder auch Kombinationen aus Sonnenschutz und Photovoltaik. Solche Lösungen sind nicht nur technisch faszinierend, sondern auch gestalterisch spannend und sie bieten enormes Potenzial für Energieeinsparung.

RTS: Vielen Dank für die Einblicke!


Weitere Informationen: rt-expo.de