Recycling-Initiative A|U|F: Viel erreicht und noch viel zu tun
Seit über 30 Jahren engagiert sich die Initiative A|U|F e.V. für einen geschlossenen Wertstoffkreislauf für Aluminiumprodukte aus Bauanwendungen. Trotz ihrer Erfolge landet aber noch immer viel demontiertes Aluminium nicht wieder in der heimischen Bauwirtschaft.
Im Interview erläutert der A|U|F Vorstandsvorsitzende Thomas Lauritzen Ursachen, zeigt die Vorteile einer Kooperation mit der Initiative auf und erklärt, warum Wertstoffkreisläufe für die Bauwirtschaft wichtiger denn je sind.
Foto: © AIUIF Gebäudehülle: Welche Bedeutung hat ein geschlossener Aluminium-Wertstoffkreislauf für die Bauwirtschaft – heute und in Zukunft?
Lauritzen: Aluminium lässt sich ohne Qualitätsverlust nahezu unbegrenzt recyceln – bei nur rund fünf Prozent des Energieaufwands im Vergleich zur Primärproduktion. Das spart erhebliche Mengen CO₂ und verbessert die Klimabilanz von Bauprodukten deutlich. Gleichzeitig stärkt ein funktionierender Kreislauf die Rohstoffversorgung in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland. Mit Blick auf steigende Anforderungen an ESG-Kriterien, Zertifizierungen und Ressourceneffizienz wird die Kreislaufwirtschaft künftig zu einem zentralen Steuerungsinstrument im Bauwesen.
Gebäudehülle: Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Rückführung von Aluminium aus dem Rückbau in den Kreislauf?
Lauritzen: Der entscheidende Punkt ist der Rückbau. Nur wenn Materialien bereits auf der Baustelle als Wertstoffe erkannt und sortenrein getrennt werden, können sie hochwertig recycelt werden. In der Praxis erschweren jedoch komplexe Materialverbunde, Zeitdruck und fehlende Vorgaben in Ausschreibungen die Trennung. Zudem sind viele Bestandsprodukte nicht konsequent recyclinggerecht konstruiert. Hier braucht es ein besseres Zusammenspiel aller Beteiligten – von der Planung bis zur Ausführung.
Gebäudehülle: Welchen Mehrwert bietet A|U|F den Architekten und Planern einerseits und Metallbauern oder Bauelementehändlern auf der anderen Seite?
Lauritzen: A|U|F vernetzt alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette – vom Abbruchunternehmen über Recyclingbetriebe bis hin zu Systemhäusern und Metallbauern. Unsere Mitglieder profitieren von klaren Prozessen, verlässlichen Partnern und belastbaren Nachweisen für funktionierende Kreisläufe. Gleichzeitig können sie ihre Nachhaltigkeitsleistung gegenüber Auftraggebern transparent darstellen. Für Architekten und Planer bieten wir zudem konkrete Unterstützung bei Ausschreibungen und Planung – die Mitgliedschaft ist hier kostenfrei.
Gebäudehülle: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Aluminiumschrotten – und was bedeutet das für den Markt?
Lauritzen: Die Nachfrage steigt seit Jahren deutlich und wird weiter zunehmen. Sekundäraluminium ist international stark gefragt, da es erhebliche CO₂-Vorteile bietet. Gleichzeitig werden die Lieferketten volatiler, etwa durch geopolitische Entwicklungen. Das führt dazu, dass hochwertige Schrotte verstärkt im globalen Wettbewerb stehen. Umso wichtiger ist es, diese Materialien in Deutschland und Europa im Kreislauf zu halten.
Zertifizierte Recyclingunternehmen bereiten die von der AIUIF Initiative gesammelten Aluminiumschrotte auf und führen das sortenreine Material den Aluminiumhütten zu, die daraus erneut Pressbolzen für die Fertigung neuer Profile für Fenster, Türen und Fassaden herstellen. Foto: © VössingGebäudehülle: Ist eine engere Zusammenarbeit mit anderen Materialbereichen, wie Glas oder Beschlägen sinnvoll, um das Recycling weiter zu verbessern?
Lauritzen: Grundsätzlich ja. Gerade im Rückbau haben wir es mit komplexen Bauteilen aus verschiedenen Materialien zu tun. Eine stärkere Abstimmung kann helfen, Demontage und Sortierung effizienter zu gestalten und das Thema Design for Recycling voranzubringen. Entscheidend ist dabei, dass die Qualität der einzelnen Materialkreisläufe erhalten bleibt – insbesondere bei Aluminiumlegierungen.
Gebäudehülle: Mit welchen Kosten ist eine Mitgliedschaft im A|U|F verbunden?
Lauritzen: Für Architektinnen und Architekten ist die Mitgliedschaft kostenfrei. Bei Systemhäusern und Metallbaubetrieben ist die Mitgliedschaft nach Umsätzen gestaffelt.
Erhebliche CO₂-Einsparung
Im Jahr 2024 betrug die angefallene bzw. eingesammelte Aluminiumschrottmenge aus dem Hochbaubereich in Deutschland etwa 140.000 Tonnen. Mehr als 50 Prozent der in Deutschland eingeschmolzenen Aluminiumschrotte aus dem Hochbaubereich werden vom A|U|F e.V. erfasst und damit besonders nachhaltig recycelt.
Das entspricht einer vom A|U|F bilanzierten Schrottmenge von rund 75.000 Tonnen. Die vom A|U|F gesammelte Menge sorgt für eine Einsparung von ca. 400.000 Tonnen CO2-Äquivalenten.
Recycling-Initiative A|U|F
Die Recycling-Initiative A|U|F e.V. (Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau) wurde 1994 von führenden Aluminium-Systemanbietern gegründet. Ziel ist die Förderung eines geschlossenen Wertstoffkreislaufs für Aluminium aus Bauanwendungen. Heute zählt der A|U|F über 250 Mitglieder aus Industrie, Handwerk, Planung und Rückbau.
Ein Netzwerk aus 16 Umweltpartnern mit über 100 Sammelstellen organisiert bundesweit die Erfassung, Aufbereitung und Rückführung von Aluminiumschrotten aus Produktion und Rückbau.
Weitere Informationen: www.a-u-f.com
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