Er braucht Change Management – ohne diese Zutat ist jedes Projekt zum Scheitern verurteilt. Usman Shuja, CEO des Softwarespezialisten Bluebeam, erklärt, warum.
Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Baustelle, die Sie über Jahre hinweg begleitet haben – und plötzlich heißt es: Schluss mit den vertrauten Werkzeugen und Abläufen. Ab sofort wird digital gearbeitet: schneller, komfortabler, effizienter. Das klingt vielversprechend, doch zeigen Studien von Gartner oder McKinsey seit Jahren: Zwischen 70 bis 90 Prozent aller Implementierungsprojekte scheitern oder erreichen den erwarteten ROI (Return of Invest) trotz Investitionen in Millionenhöhe nicht.
Wer von Anfang an mitreden darf, identifiziert sich stärker mit jeder Veränderung. Dies erfordert Change Management. Neue Methoden sind nur erfolgreich, wenn sie zu den Prozessen, Rollen und Kompetenzen passen und alle sie akzeptieren. Foto: © ShutterstockDer Grund hierfür liegt selten in der Technologie. Im Fokus stehen stattdessen andere Punkte: Wenn Unternehmer und Führungskräfte es nicht schaffen, die Notwendigkeit einer neuen Lösung zu vermitteln, entsteht schnell Unsicherheit. Werden zudem die Vorteile der Lösung und die konkreten To-dos für die Umsetzung nicht klar kommuniziert, fehlt es an Orientierung. Besonders kritisch ist es, wenn Ängste der Betroffenen – etwa vor einem möglichen Jobverlust – nicht ernst genommen und zerstreut werden.
Auch Widerstände lassen sich ohne gezielte Maßnahmen kaum abbauen. Fehlen begleitende Schulungen und regelmäßige Feedback-Runden während der Implementierung, sinkt die Akzeptanz zusätzlich. In solchen Fällen scheitern selbst leistungsstarke Tools. Die Ursache liegt dann fast immer im Change Management – oder genauer gesagt im Mangel daran.
Welche Hürden blockieren die Einführung neuer Technologien?
Dies bestätigen eine 2024 und die im Herbst 2025 von Bluebeam in Auftrag gegebenen Umfragen unter Bauunternehmen, Architektur- und Ingenieurbüros, die sich unter anderem der Frage widmeten, welche Hindernisse der Einführung neuer Technologien in der Baubranche gegenüberstehen. Die Antworten der Befragten waren in beiden Jahren vergleichbar:
– Fast ein Drittel nennen unzureichende Schulung als größte Hürde.
– Mehr als jedes vierte Unternehmen erkennt innerbetrieblichen Widerstand.
– Jeder Fünfte Befragte hat Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit.
– Zudem werden fehlende Integration und mangelnde Unterstützung durch Führungskräfte als zentrale Barrieren genannt.
Die Folgen sind unübersehbar: fast dreiviertel der Studienteilnehmer nutzen in den Projektabläufen weiterhin Papier – und das, obwohl digitale Ersatzlösungen inzwischen durchgängig und für alle Projektphasen vorhanden sind.
Angst vor der Digitalisierung – aber warum?
Warum das so ist und aus welchen Gründen die Baubranche die digitale Transformation so zögerlich angeht, erklärt sich aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso wie aus psychologischen Mechanismen. Wo enge Zeitpläne, Wetterrisiken (u.a. durch den Klimawandel begünstigte Schlechtwetterereignisse) und hohe Sicherheitsanforderungen den Alltag beherrschen, bedeuten vertraute Routinen Stabilität.
Werden sie durch neue Technologien infrage gestellt, erzeugt das als natürliche Reaktion auf die Unsicherheit Widerstand. Psychologen nennen dies Phänomen "Status-quo-Bias": die Tendenz, Bewährtes dem Unbekannten vorzuziehen, selbst wenn bessere Ergebnisse möglich wären. Im Bau verstärkt sich dieser Effekt, weil jede Störung Verzögerungen, Mehrkosten oder Sicherheitsrisiken verursachen kann. Der eigene Lerneffekt, dass dies bereits oft passiert ist, kommt erschwerend hinzu.
Parallel dazu hat der Widerstand aus der Baubranche gegenüber Veränderungen auch praktische Gründe: Die Gewinnmargen sinken stetig und der Erfolg wird an unmittelbaren Ergebnissen gemessen. Stören neue Technologien bestehende Abläufe – selbst mit großem langfristigem Nutzen – stehen kurzfristige Risiken für die eigene Produktivität und die Budgetsicherheit im Vordergrund.
Change Management
Damit der Übergang zu modernen Werkzeugen reibungsloser gelingen kann, müssen Unternehmen die vorgenannten psychologischen Faktoren mit der wirtschaftlichen Realität verbinden. Und dafür braucht es Change-Management – ein Leistungspaket, mit dem sich technische, organisatorische und kulturelle Veränderungen erfolgreich steuern lassen.
Die wichtigsten Bausteine:
1. Analyse von Veränderungen
Frühzeitige Identifikation von Anpassungsbedarfen sowie Bewertung der Auswirkungen auf Prozesse, Kosten, Termine und Projektbeteiligte – unterstützt durch datenbasierte Analysen.
2. Beteiligten- & Kommunikationsmanagement
Wer von Anfang an mitreden darf, identifiziert sich stärker mit jeder Veränderung. Frühzeitiges Feedback deckt dabei die Hürden auf und schafft Vertrauen in den angeregten Veränderungsprozess.
3. Planung und Steuerung des Veränderungsprozesses
Entwicklung strukturierter Maßnahmenpläne mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Zeitachsen sowie die laufende Überwachung und Steuerung des Fortschritts der Maßnahmen.
4. Anpassung von Prozessen, Rollen und Strukturen
Unterstützung bei der Weiterentwicklung von Arbeitsabläufen, bei der Klärung von Zuständigkeiten und der Optimierung organisatorischer Strukturen.
5. Qualifizierung und Unterstützung
Maßgeschneiderte Schulungen, Workshops und Coaching – inklusive eines Kompetenzaufbaus für digitale Arbeitsweisen in den eigenen Teams.
6. Einführung neuer Technologien
Ganzheitliche Begleitung von technischen Implementierungen sowie deren organisatorische und kulturelle Verankerung im eigenen Unternehmen.
7. Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
Erfolgskontrolle, Feedbackschleifen und Ableitung von Optimierungsmaßnahmen, um Veränderungen nachhaltig zu unterstützen und zu sichern.
Gebauter Wandel
Vor dem Hintergrund der Digitalisierung, steigender Nachhaltigkeitsanforderungen, volatiler Lieferketten und Preisgefüge sowie dynamischer Projektbedingungen, die die Komplexität des Bauens zunehmend erhöhen (und prozessuale wie technologische Veränderungen erfordern), gewinnt das Change Management vermehrt strategische Bedeutung. Es verringert Reibungsverluste, verhindert Fehler, minimiert Risiken wie Kostensteigerungen oder Terminverzögerungen, verbessert die Zusammenarbeit der Projektbeteiligten untereinander und ist überdies ein unerlässlicher Baustein für den Erfolg innovativer Lösungen wie BIM-Planung oder Lean Construction.
Der Autor: Usman Shuja, CEO Bluebeam Foto: © BluebeamNeue Methoden sind nur erfolgreich, wenn sie zu den Prozessen, Rollen und Kompetenzen passen und alle sie akzeptieren. Hier kommt das systematische Change Management ins Spiel. Durch seinen Einsatz lassen sich notwendige Veränderungen adressieren, steuern und kommunizieren.
Es erklärt nicht nur, was und wie neue Technologien funktionieren, sondern auch warum. Es rückt den Menschen in den Mittelpunkt und sorgt dafür, dass Veränderungen langfristig in der Arbeit und der Unternehmenskultur verankert sind. Richtig eingesetzt, bereitet es Mitarbeitende auf notwendige Veränderungen vor, die auch ihren Interessen dienen können.
Systematisches Change Management schafft Klarheit darüber, wo der Nutzen liegt, was die Anforderungen sind und wie man Veränderung umsetzt und erhöht damit die Erfolgswahrscheinlichkeit jedes Digitalisierungsprojekts.
Kurzinfo Bluebeam
Bluebeam ist einer der führenden Anbieter von digitalen Produktivitäts- und Kollaborationslösungen für die Baubranche. Seit 2002 entwickelt das Softwareunternehmen Desktop-, mobile und cloudbasierte Lösungen für papierlose Arbeitsabläufe, die die Projektkommunikation verbessern und Prozesse über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg optimieren.
Nach Unternehmensangaben vertrauen mehr als drei Millionen Anwender in über 160 Ländern auf die Produkte von Bluebeam, um die digitale Zusammenarbeit und Verwaltung von Projekten voranzubringen. Bluebeam wurde in Pasadena, Kalifornien, gegründet und hat heute Niederlassungen auf der ganzen Welt. Seit 2014 ist das Unternehmen Teil der deutschen Nemetschek Group.
Weitere Informationen: bluebeam.de
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