EU-Entwurf: VFF warnt vor Bürokratie- und Kostenschub
Der Verband Fenster + Fassade (VFF) warnt vor einem Bürokratie- und Kostenschub durch den geplanten EU-Normungsauftrag für Fenster und Türen.
Die Europäische Kommission bereitet derzeit einen Standardisation Request für Fenster und Türen unter der neuen EU-Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 vor. Dieser Normungsauftrag legt fest, welche Eigenschaften und Nachweise Hersteller künftig für ihre Produkte erbringen und dokumentieren müssen. Über den Entwurf soll noch vor der Sommerpause im zuständigen Ausschuss für Normung, dem Committee on Standards, abgestimmt werden.
Aus Sicht des VFF ist der Entwurf in seiner vorliegenden Form nicht zustimmungsfähig. Fenster und Türen sind in der Regel keine einfachen Standardprodukte, sondern individuell konfigurierte Bauprodukte mit einer sehr hohen Variantenvielfalt.
Aus der Kombination unterschiedlicher Profile, Gläser, Beschläge, Dichtungen und Ausstattungen entstehen unzählige Produkttypen. Werden für diese Varianten künftig zusätzliche Merkmale, Nachweise, Prüfungen, Emissionsangaben und digitale Produktinformationen verlangt, entsteht für Hersteller ein erheblicher bürokratischer und finanzieller Mehraufwand.
Zusätzliche Belastung der Fensterbaubetriebe befürchtet
Der VFF sieht darin ein deutliches Risiko für die deutsche Fenster- und Fassadenbranche. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen könnten durch die vorgesehenen Anforderungen stark belastet werden. Gleichzeitig drohen höhere Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese würden am Ende auch Bauherren, Investoren und Verbraucher treffen.
In einer Phase, in der politisch über Bürokratieabbau, Wirtschaftswachstum, Baukostensenkung und Konjunkturimpulse gesprochen wird, wäre ein solcher zusätzlicher Regulierungsschub aus Sicht des VFF klar kontraproduktiv.
Der Verband hat deshalb politische Aktivitäten auf deutscher und europäischer Ebene gestartet. Auf nationaler Ebene hat sich der VFF an das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gewandt und deutlich gemacht, dass Deutschland dem vorliegenden Entwurf im Committee on Standards nicht zustimmen sollte. Ziel ist es, Zeit für eine grundlegende, praxisgerechte und verhältnismäßige Überarbeitung des Normungsauftrags zu gewinnen.
Zentrale Kritikpunkte
Auch auf europäischer Ebene ist der VFF aktiv. Über Kontakte in die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament wurde die Problematik adressiert. Der VFF hat hierzu bereits eine positive Rückmeldung erhalten; das Anliegen wird auf europäischer Ebene aufgegriffen. Parallel steht der Verband weiterhin in enger Abstimmung mit den relevanten Ansprechpartnern im politischen Raum und im zuständigen Ministerium.
Zentrale Kritikpunkte des VFF sind der Umfang der vorgesehenen wesentlichen Merkmale, die zusätzlichen Dokumentationspflichten, mögliche neue Prüf- und Zertifizierungsanforderungen, unverhältnismäßige Emissionsdeklarationen sowie die noch nicht praxistauglich geregelten Anforderungen rund um den Digitalen Produktpass.
Aus Sicht des Verbandes darf die neue Bauproduktenverordnung nicht dazu führen, dass mittelständische Fenster- und Fassadenbetriebe durch überbordende Bürokratie, zusätzliche Kosten und rechtliche Unsicherheiten belastet werden.
Grundlegende Überarbeitung gefordert
Der VFF fordert daher eine grundlegende Überarbeitung des vorliegenden Entwurfs. Notwendig sind insbesondere eine Reduzierung der Anforderungen auf das regulatorisch Erforderliche, der Erhalt bewährter Bewertungsmethoden, verhältnismäßige Regelungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie praxistaugliche Vorgaben für digitale Produktinformationen.
Das Ziel des VFF ist klar: Der vorliegende Entwurf sollte nicht beschlossen werden. Stattdessen braucht es eine überarbeitete Fassung, die den politischen Zielen von Bürokratieabbau, Mittel-standsentlastung, Baukostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit gerecht wird.
Weitere Informationen: Einzelheiten und die konkreten Lösungsansätze des VFF finden Sie im Positionspapier: "Normungsauftrag Fenster und Türen unter der neuen EU-Bauproduktenverordnung: Praxisgerechte Lösung jetzt sicherstellen" Das vollständige Positionspapier steht hier zum Download zur Verfügung.
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