Das Bild zeigt eine Alu-Glas-Elementfassade mit vorgesetzter Ganzglasbrüstung an einem Bestandsgebäude in Stuttgart-Mitte und veranschaulicht, wie groß der Glasanteil in Fassaden ist. Das Potenzial, mehr Glas in den Recyclingprozess zu bringen und wieder für die Bauglasproduktion zu verwenden, ist immens.

Das Bild zeigt eine Alu-Glas-Elementfassade mit vorgesetzter Ganzglasbrüstung an einem Bestandsgebäude in Stuttgart-Mitte und veranschaulicht, wie groß der Glasanteil in Fassaden ist. Das Potenzial, mehr Glas in den Recyclingprozess zu bringen und wieder für die Bauglasproduktion zu verwenden, ist immens. (Foto: © Concular GmbH, Stuttgart)

Wiederverwertung von Bestandsglas

FASSADE - Aktuell

November 2026

Das unter Federführung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE mit Industriepartnern durchgeführte und vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Forschungsprojekt "GLADIR" soll die Zirkularität im Bauwesen voranbringen.

Die Baubranche zählt zu den größten Ressourcenverbrauchern in Deutschland. Gleichzeitig steckt in Bestandsgebäuden ein großes Potenzial, wertvolle Rohstoffe durch sogenannte R-Strategien länger im Kreislauf zu halten.

Hier setzt das Verbundprojekt "GLADIR" unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE an: Der Einsatz digitaler Technologien soll Wiederverwendung (Reuse), Wiederaufarbeitung (Remanufacturing) und hochwertiges Recycling von Bestandsgläsern im Bauwesen (sog. Flat-to-Flat-Recycling) steigern. Dazu soll auch die Entwicklung innovativer Fenster- und Fassadensysteme beitragen.

Mehr Glas im Kreislauf führen

Foto: © GBHFoto: © GBH

Pro Jahr werden in Deutschland rund 1.670.000 Tonnen Flachglas für Gebäudeanwendungen produziert, wobei die Herstellung einer Tonne Glas ca. 500 kg CO₂ verursacht. Gleichzeitig fallen aus Modernisierung und Rückbau rund 350.000 Tonnen Flachglas an (Post-Consumer-Glas), das vorwiegend zum "Downcycling", z.B. für Behälterglas, Glastextilien oder Schüttgut für den Straßenbau, genutzt oder aber entsorgt wird.

Ziel des Verbundprojekts "GLADIR" unter Leitung des Fraunhofer ISE ist es, Glas aus dem Gebäudebestand datenbasiert, effizient und in größerem Umfang im Kreislauf zu führen. "Digitale Methoden sind der Schlüssel, um Zustand und Potenziale von Bestandsglas deutlich besser zu bewerten und fundierte Entscheidungen für die Wiederverwendung oder das Recycling von hochwertigen Scherben zu treffen", so Dr.-Ing. Frank Ensslen, Projektleiter am Fraunhofer ISE, zur methodischen Ausrichtung des Projekts.

Auf diesem Weg soll nach einer ersten Anlaufphase ein Marktpotenzial von schätzungsweise 16.700 Tonnen Reuse-/Remanufacturing-Glas jährlich erreicht werden, was einem Prozent der Flachglas-Jahresproduktion entspricht. Des Weiteren sollen ca. 45.000 Tonnen jährlich zusätzlich an Scherben gewonnen werden, die der Floatglas-Schmelze wieder zugeführt werden können. Die Flat-to-Flat-Recyclingquote von Bestandsgläsern würde damit um 80 Prozent erhöht.

Als Beitrag zu den R-Strategien "Rethink" und "Reduce" entwickelt "GLADIR" zirkuläre Fenster- und Fassadensysteme (Design for Disassembly) sowie Lösungen zur digitalen Erfassung von Materialeigenschaften und zur KI-basierten Defekterkennung gebrauchter Gläser.

Mobile Zerlegungsanlage

Eine mobile Anlage zur Zerlegung von Isoliergläsern auf der Baustelle soll effizientere Abläufe für das Remanufacturing oder das Flat-to-Flat-Recycling schaffen. Das Fraunhofer ISE bringt besonders seine Kompetenzen bei der Verwendung von Glas als kon­struktivem Werkstoff, im Bereich physik-informierter KI-Modelle, in der Ökobilanzierung und im Datenmanagement ein.

Im Rahmen des Projekts soll ein eigenes Datenverwaltungssystem entwickelt werden, um standardisierte Datenformate und Schnittstellen für die Rückverfolgbarkeit von Glasscheiben zu schaffen.

Dies soll auch die Einbindung in Planungs- und Verarbeitungsprozesse ermöglichen. Zudem sind Konzepte für die Zwischenlagerung der wiederverwendbaren Gläser und digitale Vermarktungsplätze vorgesehen.


Weitere Informationen: https://v-h1.de/4N3d