Schlecht oder gar nicht geschützte Fenster und Türen sind das bevorzugte Angriffsziel von Einbrechern.

Schlecht oder gar nicht geschützte Fenster und Türen sind das bevorzugte Angriffsziel von Einbrechern. (Foto: © www.nicht-bei-mir.de)

Wirksamer Schutz vor Einbrechern

Ein Wohnungseinbruch ist ein Horror. Schwerer als der materielle Verlust wiegt das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein. Doch es gibt effektive Schutzmaßnahmen.

Es ist eine echte Erfolgsgeschichte: Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist erstmals seit zwölf Jahren wieder unter die 100.000er Marke gesunken. Für 2018 registrierte die im April 2019 veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PSK) exakt 97.504 Wohnungseinbruchsdelikte.

Gegenüber 2017, als 116.540 Einbrüche verübt wurden, bedeutet das einen Rückgang von 16,3 Prozent. Bereits von 2016 auf 2017 hatte es ein Minus von 23 Prozent gegeben.

Einbruchskriminalität nach wie vor hoch akut

Das liest sich gut, die neuesten Zahlen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Einbruchskriminalität in Deutschland nach wie vor hoch akut ist. Laut der Polizei-Initiative „Netzwerk Zuhause sicher“ ist Einbruchschutz hierzulande nach wie vor kein Standard in Häusern und Wohnungen.

Auch deswegen gebe es – trotz sinkender Fallzahlen – immer noch sehr viele Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche, meistens über Fenster und Türen. Da, wo die Täter auf wenig Widerstand stoßen, haben sie auch Erfolg: Ungesicherte Fenster und Türen überwinde der Einbrecher nur mit einem Schraubendreher in wenigen Sekunden.

Andererseits: Der Anteil der erfolglos abgebrochenen Einbruchsversuche steigt – das zeigt, dass moderne Fenster und Türen ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Die Fenster- und Beschlagbranche hat die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert und effektive Lösungen entwickelt.

Passende Lösungen für Nachrüstung und Neubau

Ein Plus an Sicherheit gibt es schon zu überschaubaren Kosten. Vorhandene Türen lassen sich zum Beispiel mit einbruchhemmenden Produkten wie selbstverriegelnden Mehrfachverriegelungen und Zusatzschlössern nachrüsten, erklärt der Fachverband Schloss und Beschlagindustrie e.V. (FVSB).

Die Norm stellt hohe Anforderungen an einbruchhemmende Bauelemente. Zum Prüf-Prozedere gehört zum Beispiel ein Pendelschlagversuch mit einem Zwillingsreifen. Foto: © FVSB
Die Norm stellt hohe Anforderungen an einbruchhemmende Bauelemente. Zum Prüf-Prozedere gehört zum Beispiel ein Pendelschlagversuch mit einem Zwillingsreifen. Foto: © FVSB

Helfen können auch spezielle Sicherheitsfolien, die die Glasflächen des Fensters verstärken und so einen gewaltsamen Durchbruch erschweren.

„Man sollte einmal genau prüfen, ob gegebenenfalls ein Nachholbedarf in Sachen Einbruchschutz besteht. Es lohnt sich in jedem Fall, in moderne Sicherheitstechnik zu investieren“, empfiehlt FVSB-Geschäftsführer Stephan Schmidt.

Widerstandsklassen von 1 bis 6

Im Neubaubereich kann das Thema Einbruchschutz natürlich von Grund auf in die Planungen einbezogen werden. Bauherren sollten hier darauf achten, dass einbruchhemmende Fenster und Türen verbaut werden. Entsprechende Produkte werden in der Norm DIN EN 1627 in mehrere Widerstandsklassen – von RC 1 bis RC 6 – klassifiziert (RC = englisch: Resistance Class).

Im privaten Bereich kommen in der Regel Bauelemente der Kategorie RC 2oder RC 3 zum Einsatz. Bereits Fenster der Widerstandsklasse RC 2 sind unter anderem mit einer speziellen Pilzkopfverriegelung, abschließbaren Fenstergriffen und Sicherheitsverglasung ausgestattet.

„Je länger Einbrecher durch gesicherte Türen und Fenster benötigen hereinzukommen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Versuch abgebrochen wird“, betont Stephan Schmidt.

Norm stellt hohe Anforderungen

Die Norm legt detailliert die Prüfverfahren fest, mit denen die Bauelemente auf ihre Widerstandsfähigkeit getestet werden. Bei der Pendelschlagprüfung zum Beispiel schlägt ein 50 Kilogramm schwerer Zwillingsreifen als Stoßkörper aus einer bestimmten Höhe auf das Fenster, das dieser Belastung standhalten muss.

Bei der Werkzeugprüfung wird ein manueller Einbruchversuch simuliert. Je nach Widerstandsklasse kommen dabei unterschiedliche Werkzeuge zum Einsatz – vom einfachen Schraubendreher über das Stemmeisen bis hin zur Bohrmaschine.

Qualifizierte Montagebetriebe finden

Ganz wichtig: Wer optimalen Einbruchschutz will, braucht dafür nicht nur die geeigneten Bauelemente, sondern auch die geeigneten Monteure. Die Widerstandsklasse, die ein Fenster oder eine Tür trägt, entfaltet nur dann ihre Wirkung, wenn die Bauteile fachgerecht in die Gebäudeöffnung eingesetzt werden.

Ein Klassiker beim Einbruchschutz: der abschließbare Fenstergriff. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention
Ein Klassiker beim Einbruchschutz: der abschließbare Fenstergriff. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention

Bei den Landespolizeibehörden gibt es beispielsweise Listen mit Adressen von „Errichterunternehmen für mechanische Sicherungseinrichtungen“. Das Netzwerk „Zuhause sicher“ bietet auf seiner Website eine Handwerkersuche an, mit der Interessenten per einfacher Postleitzahl-Angabe entsprechend qualifizierte Betriebe finden können.

Von der Polizei empfohlene Hersteller von einbruchhemmenden Bauteilen sind dem Herstellerverzeichnis über „geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Fenster und Fassaden“ zu entnehmen.

Infos und Tipps zum Thema Einbruchschutz

Über das Thema Sicherheit und Einbruchschutz informiert auch die bundesweite Kampagne „K-Einbruch“, die die Polizei gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Versicherungswirtschaft, Industrieverbänden und Errichterfirmen ins Leben gerufen hat.

Schirmherr ist Bundesinnenminister Horst Seehofer. Nutzer finden hier zum Beispiel produktneutrale Informationen oder ein interaktives Haus mit Tipps zur Sicherung der Wohnung bzw. des Eigenheims.

Staatliche Zuschüsse für Einbruchschutz-Maßnahmen

Die Preisspanne für Einbruchschutzmaßnahmen im Neubau und Bestand reicht von wenigen hundert Euro für einfache Nachrüstungen bis zu einigen tausend Euro für komplett neue Tür- oder Fensteranlagen mit hohem Sicherheitsniveau.

Vor diesem Hintergrund ist es gut zu wissen, dass die staatliche KfW-Förderbank Zuschüsse für „Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz“ anbietet. Möglich ist eine staatliche Finanzspritze von bis zu 1.600 Euro.

Was wird gefördert?

Klein, aber wirkungsvoll: Pilzkopfverriegelungen gehören schon bei Fenstern der Widerstandsklasse RC 2 zum Standard. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention
Klein, aber wirkungsvoll: Pilzkopfverriegelungen gehören schon bei Fenstern der Widerstandsklasse RC 2 zum Standard. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention

Gefördert werden unter anderem der Einbau einbruchhemmender Haus- und Wohnungseingangstüren, einbruchhemmender Garagentore und -zugänge, Nachrüstsysteme für Haus- und Wohnungseingangstüren, Nachrüstsysteme für vorhandene Fenster, Balkon- und Terrassentüren, einbruchhemmende Gitter und Rollläden, Einbruchs- und Überfallmeldeanlagen, Türspione sowie Smart-Home-Anwendungen mit Einbruchmeldefunktion.

Nicht gefördert werden hingegen baugebundene Assistenzsysteme wie Gegensprechanlagen (hierfür gibt es im KfW-Programm „Barrierereduzierung“ eine gesonderte Fördermöglichkeit). Die Förderung können sowohl Eigentümer als auch Mieter beantragen.

Mindestanforderungen für Zuschüsse

Die KfW-Anlage der Technischen Mindestanforderungen beschreibt die genauen technischen Anforderungen an die förderfähigen Maßnahmen.

Beispielsweise bei dem neu mit aufgenommenem Einbau von Gefahrenwarnanlagen sowie Sicherheitstechnik in Smart Home-Anwendungen müssen für eine Förderung die Anforderungen nach DIN VDE V 0826-1 erfüllt werden, und sie müssen die Einbruchmeldefunktion ohne Abweichung von der vorgenannten Norm aufweisen.

Möchte man eine Förderung für einbruchhemmende Haus-, Wohnungs- und Nebeneingangstüren beantragen, müssen diese den Anforderungen der Widerstandsklasse RC2 oder besser nach DIN EN 1627 entsprechen.

Fachunternehmerbestätigung gibt Sicherheit

Zum Nachweis der Einhaltung der Anforderung des Merkblatts sowie der Technischen Mindestanforderungen und förderfähigen Maßnahmen stellt die KfW seit dem 1. April 2019 eine Fachunternehmerbestätigung zur Verfügung. Diese kann sich der Zuschussempfänger zur eigenen Dokumentation vom Fachunternehmer ausstellen lassen.

„Diese Bestätigung ist für die Antragsstellung zwar nicht zwingend erforderlich, gibt aber Sicherheit, dass alle Anforderungen tatsächlich eingehalten wurden. Denn Voraussetzung für die KfW-Förderung ist, dass sich der Antragssteller genau an die Vorgaben der Bank hält“, so Stephan Schmidt vom Fachverband Schloss und Beschlagindustrie.

Wie wird gefördert?

Haustür mit Sicherheitsschloss. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention
Haustür mit Sicherheitsschloss. Foto: © Polizeiliche Kriminalprävention

Um die Förderung in Anspruch nehmen zu können, ist es notwendig, den Antrag vor dem Umbaubeginn bei der KfW zu stellen. Bei Investitionen von 500 bis 1.000 Euro, beträgt der Zuschusssatz 20 Prozent der förderfähigen Investitionskosten.

Falls die förderfähigen Investitionskosten 1.000 Euro übersteigen, werden die ersten 1.000 Euro mit 20 Prozent (also 200 Euro) und die restlichen förderfähigen Investitionskosten mit zehn Prozent gefördert.

Dies gilt bis zu einer maximalen Investitionshöhe von 15.000 Euro (Zuschuss in diesem Fall: 1.600 Euro). Weitere Informationen zu den Förderbedingungen sind auf der KfW-Website unter www.kfw.de/455-E zu finden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt, der Anteil der erfolglosen Versuche steigt
- Wirkungsvolle Nachrüstmaßnahmen sind für wenige hundert Euro möglich
- Im privaten Bereich mindestens auf Fenster und Türen der einbruchhemmenden Widerstandsklasse RC 2 (nach DIN EN 1627) setzen
- Montage nur vom Fachbetrieb durchführen lassen
- KfW bezuschusst Einbruchschutz-Maßnahmen mit bis zu 1.600 Euro

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