Von insgesamt etwa 110.000 Tonnen Aluminium-Altmaterial, die jährlich in Deutschland im Hochbaubereich anfallen, wurden im Jahr 2020 45.000 Tonnen nach den Regeln des A|U|F im Rahmen eines geschlossenen und überwachten Recyclingprozesses erneut zu Fenstern, Fassaden oder anderen Aluminium-Bauteilen verarbeitet.

Von insgesamt etwa 110.000 Tonnen Aluminium-Altmaterial, die jährlich in Deutschland im Hochbaubereich anfallen, wurden im Jahr 2020 45.000 Tonnen nach den Regeln des A|U|F im Rahmen eines geschlossenen und überwachten Recyclingprozesses erneut zu Fenstern, Fassaden oder anderen Aluminium-Bauteilen verarbeitet. (Foto: © A|U|F)

Wichtiger Rohstoff aus dem Altbau

Aktuell reißen die Meldungen über die Verknappung verschiedenster Baustoffe nicht ab. In diesem Kontext rückt das Werkstoffrecycling stärker in den Fokus.

Walter Lonsinger, Vorstandsvorsitzender der Initiative Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau (A|U|F), erläutert im Interview mit Gebäudehülle die aktuellen Probleme der Rohstoffversorgung und eine neue Wertstoff-Studie, die die Mengenströme für Aluminiumschrotte im Baubereich erfasst.

Gebäudehülle: Herr Lonsinger, steht die Baubranche vor einem Rohstoffproblem?
Walter Lonsinger: Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass wir in vielen Lebensbereichen von der hinreichenden Versorgung mit Rohstoffen abhängig sind. Deshalb müssen wir uns umfassend und nachhaltig um unsere Rohstoffversorgung in allen Verwendungsbereichen kümmern. Konsequentes Recycling innerhalb geschlossener und zertifizierter Kreisläufe sichert den Markt gegenüber Preis- und Versorgungsrisiken ab, spart Energie und entlastet das Klima.

Gebäudehülle: Gilt das auch in Zeiten der Corona-Pandemie?
Lonsinger: Zu unserer großen Überraschung entwickeln sich sowohl unsere Mitgliederzahlen wie auch die Mengen außerordentlich positiv. Im Verlauf des ersten Quartals 2021 stieg die Zahl der Mitglieder auf rund 220. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass eine seriöse Bilanzierung von Schrotten und Abfällen in der Produktion, bei Abbruch und Sanierung sowie beim Neubau ein wichtiges Merkmal im Wettbewerb um Ausschreibungen und Aufträge ist. Die Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich der Ressourceneffizienz widmet, wird immer wertvoller für die Unternehmen. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie hat es sich auch gezeigt, dass wir uns darum kümmern müssen, dass die anfallenden Schrotte innerhalb Europas im Kreislauf verbleiben und nicht in ferne Länder exportiert werden.

Gebäudehülle: Und wie sieht es bei der Mengenentwicklung aus?
Lonsinger: Die über den A|U|F bilanzierte Menge an Aluminiumschrotten aus dem Baubereich wuchs um rund 10.000 Tonnen. Unsere Jahres-Gesamtmenge stieg damit 2020 auf etwas mehr als 45.000 Tonnen. Damit nähert sich der Marktanteil des über den A|U|F organisierten Volumens der Marke von 50 Prozent.

Gebäudehülle: Die EU und Deutschland verknüpfen ihre klimapolitischen Ziele zunehmend mit der Ressourceneffizienz und der Kreislaufwirtschaft. Kommt Ihnen diese Entwicklung zugute?
Lonsinger: Bisher haben wir die europäischen und die nationalen Klimaziele vor allem durch Emissionsreduktionen in der Energiewirtschaft und bei energieintensiven Unternehmen erreicht. Der Kohleausstieg wird uns bis 2030 noch einmal einen großen Schritt voranbringen. Aber das allein wird nicht reichen.

Walter Lonsinger, Vorstandsvorsitzender des A|U|F: Konsequentes Recycling innerhalb geschlossener und zertifizierter Kreisläufe sichert den Markt gegenüber Preis- und Versorgungsrisiken ab, spart Energie und entlastet das Klima. Foto: © A|U|FWalter Lonsinger, Vorstandsvorsitzender des A|U|F: Konsequentes Recycling innerhalb geschlossener und zertifizierter Kreisläufe sichert den Markt gegenüber Preis- und Versorgungsrisiken ab, spart Energie und entlastet das Klima. Foto: © A|U|F

Gebäudehülle: Was meinen Sie konkret?
Lonsinger: Ich sehe im Gebäudebereich ein großes Potenzial. Sowohl die Ressourceneffizienz wie auch die Kreislaufwirtschaft bieten große bis sehr große Treibhausgas-Senken. Sie zu heben, ist Aufgabe aller, die an den jeweiligen Wertschöpfungsketten beteiligt sind.

Gebäudehülle: Damit sind wir beim A|U|F?
Lonsinger: Genau! Der A|U|F verknüpft Metall-, Fenster- und Fassadenbauunternehmen, Abbruch- und Demontageunternehmen, Schrotthändler und Entsorger, Verwertungsund Aufbereitungsbetriebe, Remelter, Presswerke und Systemhäuser. Durch unsere regelmäßig aktualisierte Wertstoff-Studie bilden wird exakt die Mengenströme ab und schaffen damit eine einmalige Transparenz.

Gebäudehülle: Über welchen Markt sprechen wir?
Lonsinger: In Deutschland fallen pro Jahr etwa 110.000 Tonnen Aluminiumschrotte im Baubereich an. Davon stammt knapp ein Drittel aus Produktion und Verarbeitung. Der Anteil dieser Pre-Consumer Schrotte nimmt pro Jahr nur um etwa 0,9 Prozent zu, was auf eine hohe Effizienz bei der Herstellung und Verarbeitung von Aluminiumprofilen hinweist. Dennoch ist es wichtig, bereits bei den Herstellern und Verarbeitern mit dem Recycling innerhalb eines geschlossenen Wertstoffkreislaufs zu beginnen.

Gebäudehülle: Und der Rest?
Lonsinger: Zwei Drittel des Aufkommens von Aluminiumschrotten im Hochbaubereich fallen als Post-Consumer-Bereich oder "End of Life" an, also im Wesentlichen bei Abbruch, Entkernung und Demontage. Hier steigen die Mengen im Jahresschnitt um knapp fünf Prozent, und hier liegt das von mir angesprochene Zukunftspotenzial. Allein zwischen 2014 und 2019 hat sich die Menge um 29 Prozent erhöht.

Gebäudehülle: Können Sie das auch in Volumen formulieren?
Lonsinger: Die Unternehmen des Metall-, Fenster- und Fassadenbaus liefern insgesamt rund 28.800 Tonnen Schrotte an, das sind im Durchschnitt etwa 20 bis 25 Tonnen pro Betrieb und Jahr. Von der Gesamtmenge stammen etwas mehr als 20.000 Tonnen aus dem Pre-Consumer- Bereich, also der Verarbeitung. Bei Abbruch, Entkernung und Demontage fallen insgesamt knapp 64.000 Tonnen an. Diese Menge stammt ausschließlich aus dem Post-Consumer- Bereich. Den Rest, knapp 16.000 Tonnen, machen Pre-Consumer-Schrotte von Profilherstellern und Systemhäusern aus.

Gebäudehülle: Welche Anwendungsbereiche liefern die meisten Schrotte?
Lonsinger: Sowohl bei den Pre- wie bei den Post-Consumer-Schrotten bilden die Fenster mit jeweils etwa der Hälfte des Aufkommens den größten Anteil. Bei den Pre-Consumer- Schritten folgen Türen und Tore mit etwa einem Viertel, sowie Fassaden, Dächer und Außenwandverkleidungen mit zehn bis 20 Prozent. Gut zehn Prozent entfallen auf Sonnen- und Regenschutz-Anlagen sowie Inneneinrichtungen. Bei den Post-Consumer-Schrotten folgen auf die Fenster mit einem Anteil von 25 bis 35 Prozent Fassaden, Dächer und Außenverkleidungen. Türe und Tore sowie Innenausstattung kommen jeweils auf etwa zehn Prozent.

Gebäudehülle: Damit ist die Aufkommensstruktur bei den Aluminiumschrotten aus dem Hochbaubereich recht heterogen. Wie sieht es bei der Aufbereitung und Wiederverwertung aus?
Lonsinger: Das von uns mit der Wertstoffstudie beauftragte Unternehmen Conversio hat ermittelt, dass die Unternehmen des Metall-, Fenster- und Fassadenbaus etwas mehr als die Hälfte ihrer Schrotte direkt an Aufbereiter weitergeben. Etwas weniger als die Hälfte geht an Schrotthändler und Entsorger. Wir gehen davon aus, dass die gesamte Menge nahezu vollständig im Inland verbleibt und einer Wiederaufbereitung unterzogen wird. Bei Abbruch, Entkernung und Demontage gehen allerdings nur etwa 17 Prozent direkt an Aufbereiter und 82 Prozent an Schrotthändler und Entsorger. Diese geben zwar rund 70 Prozent weiter an Aufbereiter, aber es kommt auch zu einem nennenswerten Abfluss ins Ausland . In Summe fließen derzeit etwa 16 Prozent der in Deutschland anfallenden Aluminiumschrotte aus dem Baubereich ins Ausland ab. Diesen Anteil sollten wir minimieren, indem die Kooperation zwischen Entsorgern und Aufbereitern gestärkt wird.

Gebäudehülle: Und welche Rolle spielt der A|U|F dabei?
Lonsinger: Von den in Deutschland aufbereiteten Schrotten, die der Wiederverwertung zugeführt werden, sind derzeit etwa 46 Prozent durch den A|U|F erfasst und zertifiziert. Das heißt aus alten Profilen für den Baubereich werden neue Profile für den Baubereich. Die Qualität der Legierungen bleibt erhalten, der Energieaufwand sinkt, und die Klimabilanz wird verbessert. Die aktuelle Entwicklung der durch den A|U|F bilanzierten Mengen sowie die Erwartung eines Marktwachstums von drei bis vier Prozent pro Jahr geben Anlass zu Optimismus.

Gebäudehülle: Offenbar fragt der Markt Sekundärmaterial verstärkt nach. Welche Perspektiven haben Profile aus Primäraluminium?
Lonsinger: Wir sollten Primär- und Sekundärmetalle nicht gegeneinander ausspielen, sondern sie als komplementäre Partner in einem Gesamtsystem sehen. Es geht um eine Optimierung: soviel Sekundärmetall aus geschlossenen Wertstoffkreisläufen wie möglich und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Primärmetall, das so energieeffizient und klimaschonend wie möglich erzeugt werden sollte.

Weitere Informationen: Den bebilderten Fachartikel als PDF-Datei herunterladen: Wichtiger Rohstoff aus dem Altbau

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