Auftragserfassung mit der Lumeso Software: Nachdem die Daten durch die KI extrahiert wurden, werden sie vom Sachbearbeiter kontrolliert und freigegeben (Human-in-the-Loop).

Auftragserfassung mit der Lumeso Software: Nachdem die Daten durch die KI extrahiert wurden, werden sie vom Sachbearbeiter kontrolliert und freigegeben (Human-in-the-Loop). (Foto: Bild: © KI-generiert mit ChatGPT)

Künstliche Intelligenz: Chancen fürs Glaserhandwerk

Künstliche Intelligenz (KI) findet zunehmend Anwendung in der Flachglasindus­trie, um Prozesse zu optimieren, den Energieeinsatz und CO2-Emissionen zu senken und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Georg Katzlinger-Söllradl ist Co-Founder und CEO von Lumeso. Die KI-Anwendung des Unternehmens spart in der Auftragsdatenerfassung der Glasindustrie und -Verarbeitung viel wertvolle Zeit. Foto: © Lumeso FlexCoGeorg Katzlinger-Söllradl ist Co-Founder und CEO von Lumeso. Die KI-Anwendung des Unternehmens spart in der Auftragsdatenerfassung der Glasindustrie und -Verarbeitung viel wertvolle Zeit. Foto: © Lumeso FlexCo

Aber sind KI-Anwendungen auch schon für Glasverarbeiter und das Glaserhandwerk relevant? Antworten auf diese Frage wird es auf der Weltleitmesse glasstec im Oktober 2026 geben.

Im Bereich der Maschinentechnologie und Produktionsprozesse wurden KI-Entwicklungen in den vergangenen Jahren intensiv vorangetrieben. Die Verbesserung administrativer Abläufe wurde hingegen weniger intensiv verfolgt, dabei bieten KI-Entwicklungen auch hier viel Potenzial. In der industriellen Fertigung von Flachglas kommt KI bereits in den Technologien der Maschinenhersteller zum Einsatz, zum Beispiel in Automatisierungsplattformen, um Produktionsabläufe dynamisch anzupassen, etwa durch adaptive Prozessführung oder Materialflussoptimierung.

KI-gestützte Bildverarbeitung wird zur hochpräzisen Fehlererkennung und Dimensionskontrolle in der Flachglasproduktion eingesetzt. KI kann über "Digitale Zwillinge" zur vorausschauenden Wartung ("predictive maintenance") oder zur intelligenten Steuerung von Zuschnitt- und Lagerprozessen eingesetzt werden.

Zögerlicher Beginn im Glaserhandwerk

Auftragserfassung mit der Lumeso Software: Nachdem die Daten durch die KI extrahiert wurden, werden sie vom Sachbearbeiter kontrolliert und freigegeben (Human-in-the- Loop). Foto: © Lumeso FlexCoAuftragserfassung mit der Lumeso Software: Nachdem die Daten durch die KI extrahiert wurden, werden sie vom Sachbearbeiter kontrolliert und freigegeben (Human-in-the- Loop). Foto: © Lumeso FlexCo

Im Glaserhandwerk und in der Glasverarbeitung erscheint KI derzeit noch weniger systematisch verbreitet.

Dennoch gelangen erste Anwendungen auch hier in die Praxis, wie Karsten Sommer von der Glaserinnung Hamburg auf Anfrage verriet: "Viele Betriebe versuchen, sich hier nach und nach heranzuarbeiten. Besonders leicht gelingt das, wenn KI Teil der bereits genutzten Systeme wird, wie mit KI-basierten Büro- und Kommunikationstools wie Microsoft Copilot, Google Workspace AI oder ChatGPT. Diese können unkompliziert bei textbasierten Entwürfen, Kalkulationen oder der Terminorganisation helfen." 

Andere, bildgebende KI-Tools wie Canva AI, Midjourney oder DALL·E 3, helfen bei einem ersten Eindruck oder geben Inspiration bei der Visualisierung von Werkstücken, Produkten oder der Bauplanung, was tagelange Renderzeiten mit leistungsstarken Rechnern, zumindest bei ersten Entwürfen oder Konzepten, zunehmend überflüssig macht.

Erste konkrete Anwendungen: Auftragserfassung

Karsten Sommer (Glaser-Innung Hamburg) sieht eine wachsende Nutzung von KI-Anwendungen auch im Glaserhandwerk, besonders wenn sie in bestehenden Systemen integriert sind oder gekoppelt werden können. Foto: © Glaser-Innung HamburgKarsten Sommer (Glaser-Innung Hamburg) sieht eine wachsende Nutzung von KI-Anwendungen auch im Glaserhandwerk, besonders wenn sie in bestehenden Systemen integriert sind oder gekoppelt werden können. Foto: © Glaser-Innung Hamburg

KI bietet also für kleine und große Betriebe die Chance, sich mit "Assistenzsystemen" zeitliche Freiräume zu verschaffen. Ein gutes Beispiel bietet die Erfassung von Auftragsdaten, die abseits klassischer EDI-Systeme (Electronic Data Interchange) aufgrund ihrer Komplexität häufig manuell erfolgt.

Hierbei wird viel Zeit für Übertragungen, Rückfragen und Fehlerkorrekturen gebunden – leider sind die wenigsten Anfragen sofort präzise formuliert und vollständig. Hinzu kommt die Vielfalt der Anfragen – es gibt Glashersteller, die Isolierglasaufbauten in zehntausenden denkbaren Produktkonfigurationen liefern können.

Weniger Fehler, mehr Effizienz

Wie der Prozess der Auftragsdatenerfassung durch den Einsatz von KI deutlich vereinfacht werden kann, erläutert Georg Katzlinger-Söllradl, CEO und Co-Founder des Startups "Lumeso", der seine KI-Lösung erstmals auf der glasstec 2024 ausgestellt hat: "Unsere Software analysiert eingehende E-Mails, erkennt automatisch alle relevanten Bestelldaten und bereitet sie strukturiert auf. Fehlende Angaben werden automatisch durch intelligente Rückfragen ergänzt."

Und weiter: "Nach Freigabe durch den Sachbearbeiter werden die Daten mittels Schnittstelle direkt ins Bestellerfassungssystem übertragen. Erst die Verfügbarkeit leistungsfähiger KI-Systeme ermöglichte uns diesen Lösungsweg. KI im Administrationsbereich steigert die Geschwindigkeit der Auftragsdatenerfassung deutlich, reduziert Fehler signifikant und minimiert die Durchlaufzeit vom Auftragseingang bis zur Bestätigung erheblich." 

Die Effizienzsteigerung ist attraktiv, die Kunden zeigten sich aber vor allem deshalb interessiert, weil sie zu wenig Personal hatten oder es erst gar nicht fanden, um die bestehenden Prozesse zu bewältigen. Katzlinger-Söllradl: "Uns wurde schnell klar, dass wir mit unserer KI auch zur Lösung des Fachkräftemangels beitragen. Erfahrene Mitarbeiter können ihren Workload reduzieren und sich auf Kontroll- und Entscheidungsaufgaben konzen­trieren, während jüngere Mitarbeiter durch moderne, attraktive KI-Lösungen für das spannende Arbeitsumfeld Flachglas begeistert werden können."

"KI & Digitaletechnologien" als Hot-Topic auf der glasstec 2026

Der Blick auf den "State of the Art" lässt hoffen: Die zunehmende Verfügbarkeit modularer KI-Tools und die Entwicklung praxisnaher branchenspezifischer Lösungen kann die Effizienz steigern, positive Entwicklungen für den Arbeitsalltag mit sich bringen und gleichzeitig die Attraktivität als Arbeitgeber erhöhen.

Man darf gespannt sein auf die glasstec 2026, wo "KI & Digitale Technologien" neben Kreislaufwirtschaft und Dekarbonisierung die Hot-Topics sein werden.


Der Autor: Marc Everling ist studierter Medienpädagoge und seit mehr als 20 Jahren als Kommunikations- und Marketingspezialist in der Glasbranche heimisch. 2021 gründete er eine Netzwerkagentur, die sich auf die kommunikative Beratung und Pressearbeit von Unternehmen und Verbänden spezialisiert, die im Sinne der ökologischen Transformation der Bauwirtschaft nachhaltig arbeiten und produzieren.

E-Mail: me@marceverling.de


Die Messe: Die glasstec 2026 ist vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Düsseldorf erneut die zentrale und impulsgebende Leitmesse für den Austausch über Zukunftsthemen in der Glasbranche. Die Messe bringt mit der Sonderschau "glass technology live" und der angeschlossenen "glasstec conference" Forschung, Hersteller und Anwender zusammen, die die Zukunft mitgestalten wollen.


Weitere Informationen: Den bebilderten Fachartikel als PDF-Datei herunterladen: Künstliche Intelligenz: Chancen fürs Glaserhandwerk

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