Cia Kleffmann, Marketingspezialistin: "Es kommt heutzutage nicht mehr ausschließlich darauf an, Kunden einmal von seinen Leistungen zu überzeugen. Verbraucher möchten immer wieder gewonnen werden."

Cia Kleffmann, Marketingspezialistin: "Es kommt heutzutage nicht mehr ausschließlich darauf an, Kunden einmal von seinen Leistungen zu überzeugen. Verbraucher möchten immer wieder gewonnen werden." (Foto: © Sixrooms)

(Digitales) Klappern gehört zum Handwerk

Cia Kleffmann, Marketingspezialistin und Geschäftsführerin der Full-Service-Agentur Sixrooms, sieht auch für die Betriebe des Baugewerbes viel Potenzial im zunehmend wichtiger werdenden Bereich des Onlinemarketings.

Auch wenn bei der Planung und Umsetzung nicht nur große Unternehmen, sondern auch immer mehr kleine und mittelständische Anbieter die Vorteile einer starken Einbindung von Internetanwendungen nutzen, besteht insgesamt bei den digitalen Kerntechnologien in der deutschen Bau- und Handwerksbranche noch Nachholbedarf.

Ausgerechnet bei Kundenanbindung und Onlinemarketing kommen viele Betriebe nicht so recht in die Gänge. Aufträge gibt es genug, doch wie setzen Handwerker ihre Dienstleistungen attraktiv in Szene und heben sich von der Konkurrenz ab?

Messaging, Unterhaltung, Social Media oder Shopping – besonders bei jungen Zielgruppen im Alter zwischen 14 und 35 Jahren spielt sich ein immer größer werdender Teil des Lebens in der digitalen Welt ab.

Harter Kampf um die Aufmerksamkeit

Wer jetzt meint, dass sich Menschen dieses Alters nicht mit Themen rund um Hausbau, Renovierung und Sanierung der Gebäudehülle beschäftigen, der irrt. Die meisten neuen Eigenheimbesitzer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt – und damit entweder sogenannte Digital Natives (wurden also in das Internetzeitalter hineingeboren), oder sie sind nach zwei Jahrzehnten Internet bestens mit dem Medium und seinen Möglichkeiten vertraut.

Um sich über Marken, Produkte oder Dienstleistungen zu erkundigen, ist das Internet in dieser Gruppe mit Abstand zum wichtigsten Medium avanciert. Doch parallel zur Informationsflut im World Wide Web steigt auch die Werbedichte. Das führt zu einem harten Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums. Während bis vor 20 Jahren noch die "Mund-zu-Mund-Propaganda" das gebräuchlichste und effektivste Werbemittel war, hat inzwischen das Internet nicht nur in städtischen Gebieten die Funktion des Dorffunks übernommen.

Hier reichen ein paar Klicks, um Handwerker in der näheren Umgebung zu finden – Bewertungen früherer Kunden gibt es bei den großen Suchmaschinen gratis dazu. Berücksichtigt man bei diesen Überlegungen noch Angebote wie beispielsweise myhammer.de, bei denen Auftraggeber ihre Suche nach einem Handwerker einfach selbst online stellen und im Anschluss über Preis und positive Bewertungen Angebote direkt miteinander vergleichen können, sollte jedem Handwerker klar sein, wohin die aktuelle Situation führt: Es kommt heutzutage nicht mehr ausschließlich darauf an, Kunden einmal von seinen Leistungen zu überzeugen. Verbraucher möchten immer wieder gewonnen werden.

Nicht am Kunden vorbei operieren

Im Falle von enttäuschenden Leistungen, langen Wartezeiten oder vermeintlich hohen Preisen suchen sie sich schnell einen anderen Anbieter und hinterlassen in öffentlich einsehbaren Portalen für folgende Auftraggeber nicht selten direkt eine negative Bewertung. Wer im Internet also nicht stattfindet – beispielsweise mangels Homepage –, der operiert an der Zielgruppe vorbei.

Denn nicht nur die Kunden unter 35 Jahren orientieren sich an den Kommentaren anderer User, sondern auch Menschen bis 49 Jahren nutzen diese Möglichkeit der Informationsbeschaffung häufig. Wer sich also zumindest mit Kontaktdaten und Leistungskatalog auf einer eigenen Homepage präsentiert und damit auch von Suchmaschinen zu finden ist, hat schon einen großen Schritt in Richtung Moderne getan.

Trend zum Onlinemarketing

Mit der digitalen Revolution verändert sich auch das Verständnis von Kommunikation und Werbung maßgeblich. Dabei geht der Trend klar in Richtung Onlinemarketing. Insbesondere Social-Media-, Affiliate- oder Content-Marketing eröffnen viele neue Wege, um auf das eigene Unternehmen, eine Marke, ein neues Produkt oder eine Dienstleistung aufmerksam zu machen.

Dabei begünstigen vor allem Faktoren wie große Reichweiten, kleine Streuverluste, geringe Kosten und ein vermeintlich hoher Return of Investment bei vielen Unternehmen ein Verschieben der Werbebudgets weg von offlinespezifischen Formen und hin zu Influencer- Marketing, mobilen Apps oder sogar Virtual Reality.

Aus der Masse hervorheben

Wer auf digitalen Kanälen in Sachen Marketing allerdings richtig erfolgreich sein möchte, muss die Nutzer in nur wenigen Sekunden für den eigenen Inhalt begeistern und aus der Masse hervorstechen. Auch die im Baubereich tätigen Unternehmen sollten nach den ersten Schritten, wie der Gestaltung einer Homepage und aktiver Arbeit in Bewertungsportalen, auf Onlinemarketing setzen und aktiv Kunden auf sich aufmerksam machen.

Oft passiert jedoch das Gegenteil: Potenzielle Kunden sind eher genervt von aufdringlichen Spots, animierten Bannern und quietschbunten Popups, die vor oder in den eigentlich angeklickten Inhalten erscheinen. In der Folge wird die Werbebotschaft überhaupt nicht oder nur in Bruchstücken aufgenommen. Bei einer steigenden Zahl von Internetnutzern führt das sogar dazu, dass sie Reklame mithilfe von Ad-Blockern, Spam- Filtern oder Cookies-Löschern komplett von ihren Bildschirmen verbannen.

Authentische Werbung

Angesichts dieser Entwicklung haben Vermarkter erkannt, dass Onlinewerbung allein nicht ausreicht, um wirkungsvolle Kampagnen zu lancieren und sich von der Masse abzuheben. Darüber hinaus gilt hier dasselbe grundsätzliche Prinzip wie überall in der Werbung: Aufmerksamkeitsstark ist nicht gleich bunt, erfolgreich ist nicht gleich laut und nervend.

Auf das Unternehmen und die angebotenen Dienstleistungen muss jede Werbung individuell zugeschnitten sein. Das fängt bei der Gestaltung der Homepage an, wird über passende Anzeigenbanner im Internet und in regionalen Medien ergänzt und findet sich ebenfalls in den sozialen Medien. Authentizität ist das Stichwort.

Zeitgemäße Mitarbeitersuche

Onlinemarketing – ein Terrain, das nicht nur viele Möglichkeiten für Kundenbindung und Werbung bietet, sondern auch für die Suche nach neuen Mitarbeitern. Handwerkliche Berufe stehen bei Schulabgängern nicht mehr so hoch im Kurs wie noch vor 20 oder 30 Jahren. Wie also machen Betriebe nicht nur auf freie Stellen und Ausbildungsplätze aufmerksam, sondern punkten mit Informationen zum Unternehmen, den angebotenen Berufen und möglichen Weiterbildungen? Wie präsentieren Handwerker sich als engagierte Arbeitgeber, und wie zeigen sie Chancen in der Branche auf?

Auch hier kann das Internet eine wichtige Rolle übernehmen, denn alle oben genannten Maßnahmen treffen nicht nur auf Kundenbindung und allgemeines Marketing zu, sondern auf besondere Weise auf die Personalsuche. Zukünftige Azubis sind ohnehin ständig am Handy, warum sie also nicht genau dort mit gut strukturierten Informationen auf der eigenen Homepage abholen? Anzeigen in Jobbörsen für junge Leute leiten Interessierte direkt auf die Website.

Gute Bewertungen bei den Suchmaschinen sorgen für ein positives Image. So wird aus dem stiefmütterlich behandelten Werkzeug Internet ein Tool, das an verschiedenen Marketing- Fronten erfolgreich seinen Dienst für das Unternehmen verrichtet.

Weitere Informationen: Den bebilderten Fachartikel als PDF-Datei herunterladen: (Digitales) Klappern gehört zum Handwerk


Die Autorin: Gründungsangst kennt Cia Kleffmann nicht. Mit gesundem Selbstvertrauen und viel Expertise hat sich die Grafikdesignerin 2017 mit ihrer Full-Service-Werbeagentur Sixrooms in München selbstständig gemacht – weil ihr statt eines beliebigen Marketing-Einerleis überraschende und quergedachte Projekte am Herzen liegen.

Ohne sich auf eine bestimmte Branche zu spezialisieren, ist das Unternehmen vor allem im B2B-Bereich tätig, zum Beispiel für die Sektoren Automobil, Bankwesen, Einzelhandel, Medizin und Technik.

Das Team von Sixrooms besteht aus 22 Angestellten, die Kenntnisse über nationale und internationale Marken mitbringen. Daneben kann das Unternehmen aus dem Know-how und der Expertise eines Netzwerkes aus Kreativagenturen schöpfen, um ein verzahntes und nahtloses Arbeiten zu ermöglichen.

sixrooms.de

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