(Foto: © Forterro)

Forterro warnt vor mangelnder digitaler Reife

Das Sofwarehaus Forterro warnt, dass jedes zweite Industrieunternehmen in Europa über keine klare digitale Roadmap verfügt.

Die mittelständische europäische Industrie steht seit geraumer Zeit unter hohem Druck – steigende Kosten, geopolitische Unsicherheiten und fragile Lieferketten prägen den Alltag. Eine konsequente Digitalisierung von Prozessen könnte helfen, weil sich Probleme frühzeitig erkennen ließen und wichtige Entscheidungen schneller getroffen werden könnten.

Viele Unternehmen befinden sich aber immer noch in einer unvollständigen digitalen Transformation mit stark fragmentierten Systemlandschaften. Die eigentliche Herausforderung besteht daher nicht darin, weitere neue Tools einzuführen, sondern sie sinnvoll miteinander zu vernetzen. Digitale Reife entsteht durch integrierte Systeme, verlässliche Daten und abgestimmte Prozesse.

"Viele mittelständische Industrieunternehmen haben in den letzten Jahren in Digitalisierung investiert. Doch oft sind dabei Insellösungen entstanden. Nicht die Anzahl der eingesetzten Tools entscheidet über digitale Reife, sondern deren Zusammenspiel und Intelligenz. Ohne integrierte und nicht KI-unterstützte Systeme bleiben Daten ungenutzt und Prozesse ineffizient", so Thomas Knorr, VP Cloud Transformation bei Forterro.

Mangelnde Umsetzung der Digitalisierung tritt offen zutage

Etwa die Hälfte (51 Prozent) der deutschen Mittelständler verfügt über einen Fahrplan für die digitale Transformation. 31 Prozent gaben an, dass ihre Fortschritte bei der digitalen Transformation in den letzten drei Jahren schlecht waren, während 35 Prozent ihre Fortschritte als "gerade noch ausreichend" bezeichnen. Bedenklich, vor allem bei der gestiegenen Bedeutung dieser Software-Lösungen, ist auch, dass 38 Prozent angaben, ihr aktuelles ERP-System unterstütze ihre Ziele im Bereich der digitalen Transformation nicht.1

Auch wenn es um die Cloud-Nutzung im deutschen industriellen Mittelstand geht, tritt die mangelnde Umsetzung der Digitalisierung offen zutage. Um die notwendige einheitliche Datenbasis für den effektiven ERP-Einsatz zu gewährleisten, wäre die Cloud ein bewährtes Mittel. Aktuell nutzen aber lediglich 42 Prozent der Unternehmen Cloud-basierende ERP-Systeme. 31 Prozent greifen auf hybride Lösungen zurück, während 24 Prozent weiterhin On-Premise-Systeme bevorzugen. Für die Zukunft zeichnet sich eine Verlagerung hin zu Hybrid-ERP ab – 40 Prozent würden dies bevorzugen, während nur 36 Prozent in Zukunft zur Cloud tendieren.

60 Prozent der deutschen Mittelständler glauben, dass die Cloud in ihrem Unternehmen eine ungenutzte Chance darstelle, verglichen mit anderen Ländern ist das der höchste Wert in Europa. 56 Prozent sagen, dass ihr Unternehmen aufgrund der mangelnden Cloud-Nutzung die Vorteile von KI und GenAI nicht vollumfänglich nutze. Wer schon auf KI setzt, für den sind bei ERP-Erweiterungen KI-Funktionen wie vorausschauende Instandhaltung, vorausschauende Logistik (35 Prozent), E-Invoicing (34 Prozent) und Business Intelligence (32 Prozent) die Favoriten.

Große Lücken

Wenig überraschend haben deutsche mittelständische Industrieunternehmen immer noch mehr Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Datenverlust als alle anderen europäischen Unternehmen. 42 Prozent nannten dies als Haupthindernis für die Einführung der Cloud. Es folgten der Mangel an Fachkräften (40 Prozent) und die Unfähigkeit, sich für den am besten geeigneten Anbieter zu entscheiden (38 Prozent). Dabei ließen sich mit ERP-Lösungen die vom Mittelstand genannten wichtigsten Herausforderungen wie eingeschränkte Wachstumschancen (mit einer Nennung von 33 Prozent der höchste Wert in Europa), Bestandsmanagement (31 Prozent) und der Schutz der Lieferkette (30 Prozent) besser meistern.

Die Abteilungen, die sich innerhalb der mittelständischen Unternehmen am stärksten gegen den digitalen Wandel wehrten, sind Fertigung/Produktion (42 Prozent), Finanzen (41 Prozent) und Personalwesen (41 Prozent). Das größte Hindernis für die Einführung von KI in Deutschland ist der Widerstand gegen Veränderungen seitens der Mitarbeiter oder der Führungskräfte (32 Prozent), auch das ist der höchste Wert in Europa.

Die größten Lücken hinsichtlich der digitalen Kompetenzen im deutschen industriellen Mittelstand bestehen in den Bereichen Cybersicherheit (51 Prozent), KI-Kompetenz (46 Prozent) und ERP-Kenntnisse (44 Prozent). Mehr als die Hälfte (54 Prozent) zeigt sich nicht zuversichtlich, digitale Talente rekrutieren zu können, was deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 37 Prozent liegt.

Im unteren Mittelfeld

41 Prozent gaben an, dass die Qualifikationslücke die Fähigkeit ihres Unternehmens, zu wachsen oder neue Projekte anzunehmen, "im vergangenen Jahr beeinträchtigt habe". Nur 46 Prozent gaben an, über die richtigen Kompetenzen für die Einführung von KI, IoT und anderen fortschrittlichen digitalen Technologien zu verfügen, während weitere 34 Prozent sich unsicher waren, ob dies der Fall sei.

Im europäischen Vergleich landet der deutsche industrielle Mittelstand hinsichtlich der Digitalisierung im unteren Mittelfeld. Abhilfe tut not, gezielte Digitalisierung und der Einsatz aktueller Technologien steigern die Wettbewerbsfähigkeit und sichern das Überleben.


Weitere Informationen: forterro.com

1 Der Report wurde von Forterro mithilfe einer Befragung von über 1.200 ERP-Entscheidungsträgern europaweit durchgeführt und erhoben.