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FASSADE - Aktuell | Oktober 2026
Online-Architekturtag am 3. November
Im Fokus der Online-Veranstaltung steht in diesem Jahr die Fragestellung "Kostengünstig bauen – aber wie?"
(Foto: © Bundesverband Flachglas)
Oktober 2026
Nachträglich aufgebrachte Sonnenschutz-, Sicherheits- oder Werbefolien verändern die Eigenschaften einer Verglasung. Welche Erfahrungen die Branche damit macht, hat der Bundesverband Flachglas (BF) erstmals systematisch erhoben.
Das Ergebnis: 57 Prozent der Befragten kennen aus eigener Praxis thermisch bedingte Glasbrüche im Zusammenhang mit nachträglich angebrachten Sonnenschutzfolien. Zugleich wünschen sich 84 Prozent derjenigen, die diese Frage beantwortet haben, deutlichere Hinweise auf die Risiken.
Anlass der Umfrage waren wiederkehrende Fragen zu nachträglich aufgebrachten Folien, die die BF-Geschäftsstelle und die Mitgliedsunternehmen regelmäßig erreichen – häufig erst im Schadenfall. Der Verband wollte klären, wie verbreitet das Thema in der Praxis ist und ob die seit 2016 verfügbare BF-Information die Betriebe erreicht.
An der Branchenumfrage von April bis Juli 2026 beteiligten sich 124 Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen der Wertschöpfungskette. Vertreten waren Isolierglashersteller, Flachglasverarbeiter, Fensterhersteller und Montagebetriebe ebenso wie Glasereien, Sachverständige, Planer und Folienhersteller. Damit kamen unterschiedliche Perspektiven entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. 68 Prozent der Befragten verfügen über mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung.
Rund 80 Prozent der Befragten begegnen nachträglich angebrachten Folien in ihrem Berufsalltag. 43 Prozent der Betriebe bringen solche Folien selbst auf oder veranlassen dies. Nach Angaben einzelner Teilnehmer werden Betriebe häufig erst im Schadenfall um eine Einschätzung gebeten.
Von häufiger auftretenden thermischen Glasbrüchen im Zusammenhang mit Sonnenschutzfolien berichten 17 Prozent der Befragten, weitere 40 Prozent kennen Einzelfälle. In den Freitextantworten werden insbesondere dunkle Folierungen, innen aufgebrachte Folien sowie die Kombination aus Folienfarbe und Glasart genannt.
Die Rückmeldungen beschreiben Erfahrungen und Einschätzungen; eine allgemeine Schadenquote lässt sich daraus nicht ableiten. Auch ist im Einzelfall zu prüfen, welche Faktoren einen Bruch verursacht haben.
Folien können die Absorption von Sonnenstrahlung durch die beklebte Scheibe erhöhen. Dadurch heizt sich die Verglasung stärker auf, und die thermische Belastung von Glas und Randverbund steigt. Ungleichmäßige Erwärmung in der Scheibe kann Spannungen erzeugen, die einen Glasbruch auslösen kann. Auf diese Zusammenhänge weist bereits die BF-Information 006-2016 zu nachträglich angebrachten Folien hin.
Das Risikobewusstsein ist in der Branche grundsätzlich vorhanden: 42 Prozent der Befragten bewerten das Risiko thermischer Glasbrüche durch nachträglich aufgebrachte Sonnenschutzfolien als hoch oder sehr hoch, weitere 29 Prozent als mittel.
Nur vier Prozent sehen kein erhöhtes Risiko, 14 Prozent trauen sich keine Einschätzung zu. Die vorhandene BF-Information ist jedoch 44 Prozent unbekannt. Weitere 20 Prozent haben davon gehört, kennen ihren Inhalt aber nicht näher. Nur 14 Prozent nutzen sie regelmäßig.
Besonders deutlich fällt der Wunsch nach mehr Aufklärung aus: 96 von 114 Antwortenden sprechen sich für deutlichere Risikohinweise aus. Der BF nimmt dies zum Anlass, die Ergebnisse einschließlich der Freitextkommentare vertieft auszuwerten.
"Die Rückmeldungen zeigen, dass nachträglich aufgebrachte Folien in vielen Betrieben ein Thema sind. Umso wichtiger ist es, mögliche Auswirkungen auf die Verglasung vor dem Aufbringen zu prüfen und Kunden frühzeitig darüber zu informieren. Dafür wollen wir der Branche verständliche und praxisnahe Hilfestellungen bieten", erklärt Steffen Schäfer, beim Bundesverband Flachglas zuständig für Normung und Technik.
Geprüft wird eine Aktualisierung der BF-Information sowie ergänzende Hilfen für den Betriebsalltag. Geplant ist zudem der fachliche Austausch mit Folienherstellern und Sachverständigen. Offene Fragen, insbesondere zu Dreifachverglasungen und teilflächig aufgebrachten Folien, könnten Gegenstand eines Forschungsvorhabens werden.
Weitere Informationen: Die BF-Information 006-2016 "Nachträglich angebrachte Folien" und das gemeinsam mit dem Fachverband Konstruktiver Glasbau veröffentlichte Merkblatt "Thermisch induzierte Spannungen bei Vertikalverglasungen" stehen auf der Website des Bundesverbands Flachglas kostenfrei zum Download bereit: www.bundesverband-flachglas.de/downloads/
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