Der BuVEG fordert von der Politik ein Konjunkturprogramm "das den Motor am Laufen hält“ und hat dabei insbesondere die Baubranche als wichtige wirtschaftliche Stütze im Blick.

Der BuVEG fordert von der Politik ein Konjunkturprogramm "das den Motor am Laufen hält“ und hat dabei insbesondere die Baubranche als wichtige wirtschaftliche Stütze im Blick. (Foto: © Vössing)

BuVEG fordert Maßnahmen für Bauwirtschaft

Der Bundesverband enegieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) fordert in einem Impulspapier Maßnahmen der Politik zur Stützung der Bauwirtschaft während und nach der Corona-Krise.

Im Folgenden finden Sie das Impulspapier des BuVEG vom 15. April im Wortlaut:

Die durch das Coronavirus verursachte Krise fordert uns alle. Dabei muss für die Zeit danach nicht alles neu gedacht werden. Die Richtung ist klar: Vorausschauendes und nachhaltiges Handeln für Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Standortpolitik schließt Klimaschutz mit ein. Wichtig ist es jetzt, nach vorne zu schauen und Optionen aufzuzeigen. Nur gemeinsam können Deutschland – und die Europäische Union – aus der Krise finden. Dahin zielen unsere Vorschläge.

Durch die richtigen Rahmenbedingungen der Politik bleibt der Bausektor eine der zentralen und robustesten Säulen der deutschen Volkswirtschaft. Denn die Nachfrage nach modernen und modernisierten Gebäuden und Wohnungen wird weiter zunehmen. Damit steigt auch der Bedarf nach Arbeitskräften in diesem Sektor.

Allein der Bereich der Gebäudehülle bietet heute bereits direkt und indirekt mehr als 400.000 Menschen Arbeit – mit einem jährlichen Bauvolumen von über 42 Milliarden Euro. Zusätzliche Potenziale könnte die Gebäudehülle für unbeschäftigte Arbeitskräfte aus anderen Bereichen bieten – und zumindest teilweise die Lücke schließen, die aufgrund der großen Nachfrage entsteht.

Insgesamt bietet die Baubranche ein dynamisches, zukunftssicheres Arbeitsumfeld mit zahlreichen spannenden Aufgabenfeldern und unterschiedlichen Qualifikationsprofilen. Neben sofortwirkenden Liquiditätshilfen braucht Deutschland ein Konjunkturprogramm, das den Motor am Laufen hält, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit entgegenwirkt und damit eine langfristige Perspektive gibt.

Baustellen offenhalten

Der Schutz der Beschäftigten und die Eindämmung des Corona-Virus haben für alle Beteiligten oberste Priorität. Mit Berücksichtigung bestehender Sicherheits- und Hygienevorschriften können im Rahmen der Corona-Pandemie die Baustellen offengehalten werden.

Die Bauwirtschaft mit allen angeschlossenen Lieferketten ist ein zentraler Wirtschaftsmotor Deutschlands: Das Baugewerbe umfasst über 850.000 Beschäftigte in Deutschland, bei einem jährlichen Umsatz von 135 Milliarden Euro. Das ist heimische Wertschöpfung pur! Eine Aufrechterhaltung der Baustellen und der zugehörigen Lieferketten kann zur Abfederung der volkswirtschaftlichen Belastungen beitragen und die Rückkehr zum Normalzustand nach der überwundenen Corona-Pandemie erleichtern.

Bürokratie reduzieren

Bund und Länder haben gezeigt, dass die Parlamente in der Lage sind, schnell und umfassend auf die neue Situation zu reagieren. Die Zusammenarbeit und Abstimmungen wurden intensiviert, neue Regelungen geschaffen und dabei auch Fristen neu gesetzt, um rasch zu reagieren.

Daran müssen sich weitere Maßnahmen messen lassen: Eine wirtschaftliche Genesung wird nicht gelingen, wenn beispielsweise Genehmigungen langwierig eingeholt werden müssen. Die im Nachgang gemachten Vorschläge sind Potenziale, die mit unbürokratischen Lösungen und zügigem Verwaltungshandeln umgesetzt werden können

Grenzöffnung für Pendler, Arbeitskräfte und Logistik

Die zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes dringend notwendige energetische Sanierung von Bestandsgebäuden sollte nach Einschätzung des BuVEG durch konjunkturelle Maßnahmen nach der Corona-Krise forciert werden. Foto: © Vössing
Die zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes dringend notwendige energetische Sanierung von Bestandsgebäuden sollte nach Einschätzung des BuVEG durch konjunkturelle Maßnahmen nach der Corona-Krise forciert werden. Foto: © Vössing

Neben dem freien Warenverkehr zeichnet sich der europäische Binnenmarkt auch dadurch aus, dass Arbeitskräfte innereuropäisch beschäftigt sind. Aber Logistik und Pendlerverkehr sind durch die Corona-Pandemie ins Stocken geraten oder gänzlich zum Erliegen gekommen.

Dies betrifft auch zahlreiche Arbeitskräfte, die aus dem europäischen Ausland kommen und eine wichtige Säule für den Erfolg des Bausektors in Deutschland sind. Neben der Sicherstellung der Logistik und der Lieferung wichtiger Rohstoffe muss es das erklärte Ziel sein, dass Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland, unter Wahrung notwendiger Hygiene-Vorgaben, wieder innerhalb der EU reisen und arbeiten dürfen.

Renovierungswelle für öffentliche Gebäude starten

Vorausschauendes Handeln ist Grundvoraussetzung für erfolgreiche Industriepolitik. Deshalb sind die kurzfristigen Maßnahmen von Bund und Ländern, die der Sicherung der Liquidität der Unternehmen dienen, richtig. Zusätzlich müssen Schritte unternommen werden, die Konjunktur, wo möglich auch während, aber spätestens nach der überstandenen Corona-Pandemie anzukurbeln.

Potenziale bestehen in hohem Maße in der Modernisierung öffentlicher Gebäude bei Bund, Ländern, Kommunen. Für viele handwerkliche Betriebe, die jetzt oder in Zukunft von der schwierigen Situation betroffen sind oder sein werden, ist dies eine Chance, wieder wirtschaftlich Fuß zu fassen. Durch signifikante Modernisierung und energetische Sanierung wird der öffentliche Gebäudesektor zum Wirtschaftsmotor und Vorbild in Sachen Effizienz, Klimaschutz und Gesundheit.

Leerstand zu besserem "Lehrstand" machen

Nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten momentan im Homeoffice. Auch Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer lernen beziehungsweise arbeiten derzeit von daheim. Die nicht genutzten Klassenzimmer und Schulgebäude benötigen in vielen Fällen eine dringende Sanierung.

Die leeren Gebäude machen derzeit einen ungehinderten Zugang möglich und bieten das Potenzial für eine ungehinderte Renovierung – auch perspektivisch, wenn der Schulbetrieb in den kommenden Monaten erst schrittweise wieder anlaufen sollte. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer könnten so nach der durch Covid-19 erzwungenen Auszeit wieder in moderne und gesunde Räumlichkeiten zurückkehren.

Gebäudebestand modernisieren – jetzt erst recht

Seit langem ist bekannt, dass die Sanierungsquoten für Wohngebäude und Nichtwohngebäude deutlich erhöht werden müssen, um die Klimaziele 2030 und 2050 zu erreichen. Daher sollte die durch die Corona-Krise ausgelöste Notwendigkeit konjunktureller Maßnahmen dafür genutzt werden, den Gebäudesektor nachhaltig energetisch zu modernisieren.

Damit können die rund 35 Prozent der CO2-Emissionen, die der Energieverbrauch von Gebäuden verursacht, signifikant gesenkt werden. Damit steigt zudem deren Resilienz im Rahmen künftiger Herausforderungen, wie beispielsweise infolge klimatischer Veränderungen.

Besonderes Potenzial bieten hier insbesondere Nichtwohngebäude wie etwa Büros, die in diesen Tagen wenig oder kaum genutzt werden. Auch hier gilt, was für die Schulen bereits beschrieben wurde: Die aktuelle Situation, die sich unter Umständen perspektivisch nicht grundlegend ändern wird, macht eine rasche und ungehinderte Modernisierung möglich. Jedes Gebäude ist unterschiedlich. Für zielgerichtete und wirtschaftliche Maßnahmen wurde in den letzten Jahren die Methode des individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) entwickelt. Jetzt ist der Zeitpunkt für eine breitere Anwendung.

Homeoffice erfordert Neubetrachtung von Wohngebäuden

Wir erleben, dass ein großer Teil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer derzeit im Homeoffice arbeitet. Das steuerlich besser gestellte Arbeitszimmer ist dabei keine Selbstverständlichkeit. Es ist zu erwarten, dass in unserer Arbeitswelt auch nach Covid-19 Elemente der jetzigen Arbeitssituation beibehalten werden.

Neben steuerrechtlichen Fragestellungen macht dies eine Neubetrachtung von Wohngebäuden erforderlich. Eine veränderte Arbeitssituation erfordert moderne, effiziente und gesundheitsfördernde Gebäude. Daher bedarf es gemeinsamer Anstrengungen, Wohngebäude entsprechend dieser so wichtigen Anforderungen nachhaltig zu modernisieren.

Deutschland, wie auch Europa und der Rest der Welt, wird sich mittelfristig von den Folgen der aktuellen Pandemie erholen. Wichtig ist aber: Was vor Covid-19 galt, gilt auch jetzt. Langfristige Planungen und zielgerichtete Impulse sind zwingende Voraussetzung für eine wirtschaftliche Stabilität. Der Bausektor ist eine zentrale Säule der deutschen Volkswirtschaft.

Klimaschutz ist eine gesellschaftliche und politische Verpflichtung und wird ein wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Erholung sein. Vorausschauende Entscheidungen von heute stützen die Konjunktur und sind mittel- wie langfristig Motor für unsere Gesellschaft und die Wirtschaft gleichermaßen.

Bundesverband engergieeffiziente Gebäudehülle e.V.


Weitere Informationen:www.buveg.de

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