Moderator Dr.-Ing. Werner Jager (Wicona) und die Speaker (v.l.n.r.) Dieter Brell (3deluxe), Martin Murphy (Störmer Murphy and Partners), Evan Levelle (Front Inc.) und Fabian Hecker (Zaha Hadid Architects).

Moderator Dr.-Ing. Werner Jager (Wicona) und die Speaker (v.l.n.r.) Dieter Brell (3deluxe), Martin Murphy (Störmer Murphy and Partners), Evan Levelle (Front Inc.) und Fabian Hecker (Zaha Hadid Architects). (Foto: © Wicona / Mediashots)

4. International Next Facade Summit: Nachhaltig inspirierend

FASSADE - Aktuell

November 2021

Um die Planung und Realisierung einzigartiger Fassadenarchitektur im internationalen Kontext drehte sich die 4. Auflage des hochkarätigen "International Next Facade Summit" im Next Studio by Wicona + Partners.

Bei dem diesmal als Hybrid-Event ausgetragenen Erfolgsformat referierten vier Experten aus international agierenden Architekturbüros und gaben dabei Einblicke in ihre tägliche Arbeit.

Digitale Planung komplexer Fassadenarchitektur

In seiner Einleitung betonte Moderator Dr.-Ing. Werner Jager (Geschäftsführer Wicona), dass das Veranstaltungsmotto "Think Globally, Build Locally" insbesondere immer auch den Faktor "Nachhaltigkeit" beinhalte. Was das bedeutet, wurde im weiteren Verlauf klar. Zunächst berichtete Evan Levelle von seinen Erfahrungen mit anspruchsvollen Fassadenprojekten weltweit.

Dabei beleuchtete der Associate Principal des Architektur- und Ingenieurbüros Front Inc. (London) anhand von drei außergewöhnlichen Projekten, wie sich der Workflow vom Designentwurf über die Daten-Dokumentation der komplexen Modelle bis zur Fassadenkonstruktion und -fertigung mit Unterstützung digitaler Planungstools effizienter gestalten lässt.

Das von Zaha Hadid entworfene "The Morpheus Hotel" in Macau besteht aus zwei Stahlbetontürmen, die in den unteren und oberen Geschossen miteinander verbunden sind – die äußere Hülle des 160 Meter hohen Bauwerks ist mit einem Freiform-Exoskelett aus Aluminiumpaneelen bekleidet. Dank modernster Computertechnologie konnten die Experten von Front die zum großen Teil doppelt gebogene Fassadenfläche detailgetreu modellieren und so bis hin zur Produktion echte Präzisionsarbeit leisten.

Evan Levelle: "Für uns ist der größte Erfolg, wenn das gebaute Projekt letztendlich genauso aussieht wie im Rendering berechnet." Auch bei der Planung der Fassade der Lusail Towers in Katar war die Engineering-Expertise des Büros gefragt. Die von Foster + Partners entworfenen zwei Türme des Wolkenkratzers in Dubai verdrehen sich nach oben hin und sind mit gebogenen Verglasungen und Aluminiumpanelen versehen. Nicht zuletzt ein Highlight: Das im Zentrum Hongkongs nach Plänen von Zaha Hadid entstandene, "The Henderson". Auch der von organischen Formen geprägte 39-stöckige Turm wurde mit Unterstützung von Front Inc. realisiert.  

High-End-Architektur aus Holz

Ein wahres Vorreiter-Projekt stellte im Anschluss Martin Murphy – Partner beim Architekturbüro Störmer Murphy and Partners in Hamburg – mit dem 18-stöckigen Holzhochhaus "Roots" vor. Die Planung und Umsetzung des in der Hamburger HafenCity gelegenen Gebäudes sei eine enorme Erfahrung und zugleich ein echtes Abenteuer gewesen, so der Architekt.

Da ein solch hohes Holzgebäude in Deutschland bisher einzigartig sei, war ein intensiver dreijähriger Planungsprozess erforderlich – echte Pionierarbeit. Ob Brandschutz, Windlasten, Tragwerk und Statik oder UV-Strahlung und Witterungseinflüsse: Jedes Themenfeld bedurfte einer individuellen Herangehensweise und Analyse.

Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Alle Obergeschosse wurden letztendlich mit Massivholzdecken und -innenwänden errichtet, lediglich Unter- und Erdgeschoss sowie die Erschließungskerne wurden als Betonkonstruktion geplant. Martin Murphy – dieser engagiert sich schon seit vielen Jahren für nachhaltiges Bauen – sieht auch zukünftig große Potenziale für den Holzbau.

"Sand beispielsweise wird als eines der wichtigsten Rohstoffe beim konventionellen Bauen weltweit knapp. Wir müssen hier Mut haben, neu zu denken. Das Roots ist das beste Beispiel, wie man ein Low-Tech-Material wie Holz nutzt, um ein High-Tech Gebäude zu realisieren."

Kreative und nachhaltige Gebäudehüllen

Fabian Hecker, Assosciate bei Zaha Hadid Architects (London), präsentierte drei außergewöhnliche Gebäude – entstanden in unterschiedlichen Regionen der Welt. Dabei beleuchtete der Architekt insbesondere den Faktor Nachhaltigkeit. Sein Tenor: Bei der Betrachtung der CO2-Emissionen eines Gebäudes gelte es, nicht nur die Nutzungsphase, sondern auch die Herstellungs-, Transport-, Bau- und End-of-Life-Phase zu betrachten – also den gesamten Lebenszyklus.

Zunächst gab Fabian Hecker Einblicke in den Entstehungsprozess des Bürogebäudes Leeza Soho in Bejing. Das komplett mit Building Information Modeling (BIM) geplante Hochhaus begeistert durch eine einzigartige Formgebung und erwies sich aufgrund komplexer Geometrien und der unterschiedlichen Fassadenarten als besondere Herausforderung.

Als weiteres Highlight stellte der Referent das Erdölforschungszentrum KAPSARC im saudi-arabischen Riad vor. Das LEED Platinum-zertifizierte Forschungszentrum besteht aus fünf Bauten, deren organische Bauform und Organisation sich an die Zellsysteme der Elemente anlehnen. Besonders hervorzuheben in puncto Nachhaltigkeit sind hier vor allem das Licht- und das Sonnenschutzkonzept – perfekt abgestimmt auf die teils extremen Hitzeeinwirkungen in dieser Region.

Nicht zuletzt herausragend: Das erste nahezu komplett in Holzbauweise erstellte Fußballstadion der Forest Green Rovers in England – ein zukunftsgerechtes Bauwerk mit extrem geringem CO2-Fußabdruck.

Mehr Natur in die Stadt bringen

Zum Abschluss sprach Dieter Brell, Mitinhaber und Kreativdirektor bei 3deluxe (Wiesbaden), über die architektonischen Konzepte und Gestaltungsprinzipien des interdisziplinären Designstudios. Dabei unterstrich der Architekt immer wieder den zentralen Anspruch des Büros: Die Transformation urbaner Räume in freundliche, umweltgerechte und lebenswerte Orte.

Wesentlicher Faktor dabei sei die Integration von Natur und natürlicher Begrünung. Ein Beispiel dazu ist das Bürogebäude der New Yorker Organisation WeThePlanet mit einem natürlichen Biotop auf dem Dach – mitten in Manhattan. Der außergewöhnliche grüne Dachgarten des Gebäudes sorgt für Kühlung, verbessert die CO2-Bilanz und ist zudem für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieter Brell: "Gebäude müssen heute mit der Umgebung interagieren und die Menschen einbeziehen – so erhöhen sie die Lebensqualität in der Stadt."

Auch bei den weiteren präsentierten Projekten standen innovative Ideen und nachhaltige Konzepte im Fokus – zum Beispiel beim FC-Campus in Karlsruhe. Dieses läuft im Betrieb als Nullenergiegebäude und wurde unter anderem mit einer Fassade aus schaltbaren Flüssigkristallfenstern realisiert.

Weitere Informationen: Das komplette Event ist unter https://www.youtube.com/watch?v=kotSc-Mcpc8 über den YouTube Kanal des Next Studio abrufbar.

www.next-studio.de

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