Natürliches Tageslicht beeinflusst unseren Biorhythmus und damit auch die Leistungsfähigkeit und Gesundheit unseres Körpers.

Natürliches Tageslicht beeinflusst unseren Biorhythmus und damit auch die Leistungsfähigkeit und Gesundheit unseres Körpers. (Foto: © BVST/Schlotterer)

Viel Glas und wenig Licht

Scheinbar unendlich ist es da – natürliches Tageslicht. Es fördert unsere Leistungsfähigkeit, synchronisiert unsere innere Uhr, stärkt das Immunsystem.

Warum also sperren wir es zunehmend aus unseren Wohnungen und Häusern aus? Die Experten des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik sind sich einig: Menschliche Anforderungen müssen in der Gebäudeplanung genauso berücksichtigt werden wie Energieeffizienzmaßnahmen oder gestalterische Trends.

Wir wissen es: Natürliches Tageslicht beeinflusst unseren Biorhythmus und damit auch die Leistungsfähigkeit und Gesundheit unseres Körpers. Es aktiviert beispielsweise die Ausschüttung der Gute-Laune-Hormone Serotonin und Noradrenalin und wirkt signifikant stressreduzierend. Zudem verringert es die Tagesmüdigkeit und steigert unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit.

Viele Gründe, um viel Zeit in der freien Natur zur verbringen. Und noch mehr, dieses wertvolle Licht in ausreichendem Maße in das Innere unserer Gebäude zu lenken. Denn immerhin verbringen viele Menschen hier rund 90 Prozent des Tages. Kunstlicht kann die biologische Wirkung von Tageslicht nicht ersetzen, weil es weder das dafür notwendige Spektrum erzeugen kann noch die entsprechende Intensität erreicht.

Wo viel Licht, da oft zu viel Schatten

Dennoch sprechen zahlreiche neue Häuser eine andere Sprache: Da wird der Lichteintrag das ganze Jahr über massiv reduziert, um beispielsweise das Problem der sommerlichen Überwärmung zu lösen.

Tageslichtplanung ist hierzulande eher eine exotische Kategorie – weshalb starre Beschattungsmaßnahmen wie Überbauungen von Fenstern, oder Sonnenschutzgläser nicht hinterfragt werden.

Dazu Johann Gerstmann, Sprecher des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik: „Fixe bauliche Beschattungen sperren lediglich die hochstehende Sonne an nach Süden ausgerichteten Fenstern aus. Diese Funktion benötigen wir hierzulande allerdings nur an rund 400 Stunden im Sommer. Dem stehen dann je nach Auskragungstiefe Tageslichteinbußen von 40 bis 80 Prozent an knapp 3800 Hellstunden des Jahres ohne Überwärmungsrisiko gegenüber.“

Selektive Veränderung des Lichtspektrums

Und auch Sonnenschutzgläser und -folien haben ihre Schattenseiten: Im Gegensatz zu Markisen, Raffstoren oder Läden, die den Lichteintrag dimmen, aber das Licht in seiner Qualität nicht verändern, beruht die Wirkung von Sonnenschutzbeschichtungen auf der selektiven Veränderung des Lichtspektrums.

Bei einer leichten Sonnenschutzwirkung wird die Infrarotstrahlung nicht durchgelassen, was den Energieeintrag um ca. 50 Prozent reduziert. Das schützt nicht genug vor Überwärmung – weshalb bei stärkerer Sonnenschutzwirkung gezielt das sichtbare Licht vermindert wird.

Tageslicht steht kostenlos zur Verfügung

Die besten Ergebnisse erzielen Fenster mit hoher Lichttransmission in Kombination mit beweglichem Sonnenschutz. Foto: © BVST/Schlotterer
Die besten Ergebnisse erzielen Fenster mit hoher Lichttransmission in Kombination mit beweglichem Sonnenschutz. Foto: © BVST/Schlotterer

Die natürliche Ressource Tageslicht steht uns kostenlos zur Verfügung – sie nicht zu nutzen bedeutet mehr Stromverbrauch fürs Beleuchten. Das infrarote Spektrum auszusperren, nur weil es vom Sehapparat nicht wahrnehmbar ist, ist sehr kurz gedacht. Denn es wirkt auf unser größtes Organ, die Haut, ein und versorgt die Mitochondrien mit Energie.

Jeder kennt das wohltuende Gefühl, wenn die Sonne uns wärmt – eine Infrarotkabine tut dasselbe, ist aber nicht kostenlos. Umso wichtiger ist es, auch das biologisch wichtige nahe Infrarot in Wohnungen, Häuser und Gebäude zu lassen. Je komplexer Verglasungen werden, umso geringer und qualitativ schlechter wird die Lichtversorgung.

Clever beschatten

„Starke Sonnenschutzgläser und Fenster mit Sonnenschutzfolien haben drei wesentliche Schwachstellen: Sie reduzieren permanent den Eintrag von Sonne und Licht und erhöhen dadurch den Energieverbrauch fürs Beleuchten und fürs Heizen. Sie können den Bezug zur Außenwelt durch Kontrastminderung und mögliche Farbverschiebungen verfremden. Und eine statische Beleuchtung anstatt einer dynamischen Belichtung wirkt sich negativ auf die Ermüdung der Nutzerinnen und Nutzer und die Akzeptanz eines Raumes aus“, erläutert Gerstmann.

Es ist clever, energieeffizient und vor allem aus gestalterischer und biologischer Sicht wichtig, Fenster nur im Bedarfsfall zu beschatten – und zwar so, dass in jedem Fall noch genügend Tageslicht in den Raum gelangt.

Das Optimum

Die besten Ergebnisse erzielen hier Fenster mit hoher Lichttransmission in Kombination mit beweglichem Sonnenschutz. Die Auswahl ist groß: Raffstoren, Markisoletten, Fenstermarkisen, Ausfallmarkisen oder Roll- und Schiebeläden erfüllen diese Anforderung perfekt. Richtig eingestellt, lassen sie keine direkte Sonne durch und ermöglichen zugleich Sichtkontakt nach außen und sorgen für den notwendigen diffusen Lichteintrag.

Johann Gerstmann: „Es grenzt an einen Schildbürgerstreich, eine der wesentlichen Funktionen eines Fensters, die der natürlichen Belichtung, massiv zu drosseln und teilweise auch den Außenbezug qualitativ zu mindern. Schutz vor sommerlicher Überwärmung darf die Bedürfnisse für biologisch wirksames, gestalterisch wirkendes und energieeffizientes Tageslicht nicht außen vor lassen.“

Automatisierte Systeme

Die Experten des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik empfehlen für den wirklich optimalen Licht- und Wärmeeintrag automatisierte Systeme. Diese werden zunehmend ein wesentlicher Teil der Haustechnik wie auch die Heizung, die Beleuchtung oder die Komfortlüftung. Die am Markt verfügbaren Steuerungen sind so weit perfektioniert, dass die Benutzer möglichst selten auf einen Bedienknopf drücken müssen, ohne dabei vom System entmündigt zu werden.

„Der Mensch ist ein Augentier und braucht ein natürliches und komfortables Lichtmilieu. Lösungen, die sich nicht den sich ständig ändernden Lichtverhältnissen im Außenbereich optimal anpassen, sind nicht zielführend“, so Johann Gerstmann.

Das Wichtigste in Kürze:
- Natürliches Tageslicht stärkt die Leistungsfähigkeit und das Immunsystem
- Die meisten Menschen verbringen 90 Prozent des Tages innerhalb von Gebäuden
- Kunstlicht kann Tageslicht nicht ersetzen
- Feststehende Beschattungen bergen viele Nachteile
- Fenster sollen nur im Bedarfsfall beschattet werden
- Beste Lösung: Fenster mit hoher Lichttransmission in Kombination mit beweglichem Sonnenschutz


Weitere Informationen unter: www.bvst.at

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