Komplexe Glasdach Konstruktion im Westfield Hamburg Überseequartier: Die Geometrie der Glas- und Stahlkonstruktion, ausgeführt mit hochleistungsfähigen Kuraray Zwischenlagen, sorgt für maximale Sicherheit, Transparenz und architektonische Präzision.

Komplexe Glasdach Konstruktion im Westfield Hamburg Überseequartier: Die Geometrie der Glas- und Stahlkonstruktion, ausgeführt mit hochleistungsfähigen Kuraray Zwischenlagen, sorgt für maximale Sicherheit, Transparenz und architektonische Präzision. (Foto: © Darren Arpe / Roschmann Group)

Mit Glas geschützte Räume schaffen

Am 29. Januar wurde das neue KRITIS-Dachgesetz verabschiedet, um kritische Infrastrukturen besser zu schützen. Das dürfte die Nachfrage nach Sicherheitsverglasungen weiter antreiben.

Wie sich die Anforderungen bei Sicherheitsgläsern entwickeln, hat Marc Everling für die glasstec beim ift Rosenheim und bei Kuraray, Hersteller von Hochleistungs-Zwischenlagen für Sicherheitsglasaufbauten, erfragt.

Zur kritischen Infrastruktur zählen zum Beispiel Einrichtungen aus den Bereichen Energieversorgung, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Abfallentsorgung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung, Medien und Kultur.

Vandalismus und physische Angriffe

Die ift-Richtlinie EI-06/1 Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen definiert das typische Täter-Vorgehen, Werkzeuge, reproduzierbare Abläufe und mögliche Gefährdungsklassen für Verglasungen. Entscheidend ist eine manuelle Prüfung des Widerstands gegen Vandalismus – im Bild mit einer Ramme. Foto: © ift RosneheimDie ift-Richtlinie EI-06/1 Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen definiert das typische Täter-Vorgehen, Werkzeuge, reproduzierbare Abläufe und mögliche Gefährdungsklassen für Verglasungen. Entscheidend ist eine manuelle Prüfung des Widerstands gegen Vandalismus – im Bild mit einer Ramme. Foto: © ift Rosneheim

Ein hohes Risiko für öffentliche Gebäude, Verkehrsinfrastruktur oder Verwaltungsbauten liegt im Vandalismus, aber zunehmend auch in Sabotageaktionen, so die Einschätzung des ift Rosenheim.

Das Täterverhalten im Vandalismus ist ein komplett anderes als zum Beispiel bei Einbrüchen, wie Dipl.-Ing. Jürgen Benitz-Wildenburg, Leiter PR und Technische Kommunikation beim ift Rosenheim, erläutert: "Die Täter agieren hierbei offen, meist impulsiv und mit improvisierten Werkzeugen, vom Pflasterstein über Straßenschilder bis hin zu Gullydeckeln, die als Ramme eingesetzt werden. Gefährdete Bauelemente und Verglasungen müssen also gegen direkte Gewaltangriffe und nicht nur gegen verdeckte Manipulation von Einbrechern widerstandsfähig sein. Einbruchhemmende Bauteile sind deshalb nur bedingt geeignet." 

Das ift Rosenheim hat darum mit einem Expertenkreis die ift-Richtlinie EI-06/1 "Vandalismushemmende Bauelemente und Einrichtungen" erarbeitet, in der das typische Vorgehen, Werkzeuge, reproduzierbare Abläufe sowie mögliche Gefährdungsklassen definiert werden. Entscheidend ist die manuelle Prüfung eines betriebsfertig montierten Elements (mit Beschlag, Zarge, Türblatt, Schloss, Verglasung etc.) mit unterschiedlichen Werkzeugen auf den Widerstand gegen Vandalismus – die Widerstandsdauer zählt.

Wichtig ist auch die Zusatzanforderung "LS (Liquid Save)", bei der die Prüfer versuchen, eine durchgrifffähige Öffnung im Probekörper zu schaffen, die groß genug ist, um eine Flasche (Molotowcocktail) hindurchstecken zu können. Ziel ist es, Gebäude und Menschen besser vor mutwilliger Zerstörung und Gewalt in öffentlichen Bereichen sowie stark frequentierten und gefährdeten Orten zu schützen.

Trend zu höheren Schutzklassen

Das Foto zeigt die Zusatzanforderung Liquid Save, bei der die Prüfer versuchen, eine durchgrifffähige Öffnung im Probekörper zu schaffen, durch die eine Flasche (Molotowcocktail) passt. Foto: © ift RosneheimDas Foto zeigt die Zusatzanforderung Liquid Save, bei der die Prüfer versuchen, eine durchgrifffähige Öffnung im Probekörper zu schaffen, durch die eine Flasche (Molotowcocktail) passt. Foto: © ift Rosneheim

Auch im Markt zeigt sich eine Entwicklung hin zu höheren Schutzklassen, wie Jochen Regenauer, Head of Strategic Projects & Business Development EMEA bei Kuraray Europe, beobachtet: "Sicherheit ist ein Bereich der global wächst, wir stellen in den letzten Jahren einen massiven Anstieg fest. In Deutschland ist im öffentlichen Bereich, wo ursprünglich mittelmäßige Ansprüche galten, heute bei Verglasungen die Schutzklasse P4A bereits die Regel.

Gefordert werden oft Glasaufbauten mit erhöhtem Anspruch gegen Durchwurf, Eintreten, Baseballschläger, massive Gewalteinwirkung. In den USA ist Kuraray bereits aktiv mit einer geprüften Lösung am Markt, in Verbindung mit Sentryglas und unter Einhaltung der Norm ASTM F1233. 

Daneben sind auch beschusshemmende Verglasungen zunehmend gefragt, in den Schutzklassen BR4-NS bis BR6-NS – für öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe, Bankgebäude und verglaste Eingangsbereiche, sogar im Isolierglasbereich, etwa in Shopfronts oder Foyers."

Steigende Anforderungen durch Extremwetter

Neben Sicherheitsrisiken rückt durch das KRITIS-Gesetz auch der Schutz vor immer häufiger auftretenden Klimaextremen stärker in den Fokus, wie z.B. Starkregen und Überflutungen, die längst nicht mehr nur Gebäude in Flussnähe betreffen. Benitz-Wildenburg erläutert: "Bei Starkregen und langanhaltenden Regenfällen sind normale Fenster und Türen oft nicht mehr ausreichend, um vor Wassereintritt zu schützen.

Hier ist der Einsatz geeigneter Konstruktionen inkl. dem Baukörperanschluss notwendig, die entsprechend dimensionierte Verbundsicherheitsglas-Aufbauten erfordern." Das ift Rosenheim prüft diese Bauteile darum gemäß der ift-Richtlinie FE-07 "Hochwasserbeständige Fenster und Türen". Die Prüfergebnisse und Klassifizierungen sind Grundlage für die Planung und Ausschreibung hochwasserhemmender Bauelemente.

Auch häufiger auftretende Stürme, Hurricanes und Taifune, je nach geografischer Lage, führen zu einer steigenden Nachfrage nach entsprechenden Schutzverglasungen, wie Regenauer berichtet: "Sturmsichere Verglasungen sind inzwischen für einen großen Teil der amerikanischen Ostküste notwendig, weil Hurricanes immer häufiger und schon früher im Jahr stattfinden."

Und weiter: "Gleiches gilt für Teile Asiens mit vermehrten Taifunen – diese sind ähnlich wie Hurricanes, führen aber mehr Wasser mit sich. Kuraray liefert hier unterschiedliche Lösungen, hochsichere Aufbauten aus Glas mit Sentryglas-Zwischenlagen, um die Energieaufnahme und den Durchdringungswiderstand der Verglasungen weiter zu erhöhen." Auch hierfür bietet das ift Rosenheim entsprechende Prüfungen nach amerikanischen Standards am Standort Rosenheim an.

Gebäudehülle als Teil der Cybersicherheit

Das KRITIS-Dachgesetz orientiert sich auch stark an den Anforderungen der europäischen NIS2-Richtlinie, die europaweit bereits Mindeststandards für die Cyber- und Informationssicherheit definiert. Mit dem KRITIS-Dachgesetz wird diese Richtlinie in deutsches Recht integriert und gleichzeitig für alle relevanten Infrastrukturbereiche ergänzt.

Ein wachsendes Terrorismus- oder Spionage-Risiko sind beispielsweise elektromagnetische Angriffe, bei denen Funk- oder Strahlungssig­nale zum Abhören oder Eindringen in Netzwerke genutzt werden. Spezielle Abschirmgläser erzeugen einen partiellen Faraday-Käfig-Effekt und blockieren einen Großteil der elektromagnetischen Signale. Dadurch lassen sich gesicherte und abgeschirmte Räume für sensible IT-Bereiche, Behörden- oder Rechenzentren schaffen, in denen Funksignale weder ein- noch austreten.

Nachfrage für exklusive Anwendungen steigt

Sicherheitsgläser werden in vielen weiteren Bereichen, vor allem in exklusiven Anwendungen, vermehrt nachgefragt. So würden z.B. Lounges und VIP-Bereiche heute meist bulletproof ausgeführt, erläutert Jochen Regenauer, und Balustraden erzielten eine besonders hohe Resttragsicherheit durch den Einsatz von Sentryglas-Zwischenlagen.


Der Autor: Marc Everling ist studierter Medienpädagoge und seit mehr als 20 Jahren als Kommunikations- und Marketingspezialist in der Glasbranche heimisch. 2021 gründete er eine Netzwerkagentur, die sich auf die kommunikative Beratung und Pressearbeit von Unternehmen und Verbänden spezialisiert, die im Sinne der ökologischen Transformation der Bauwirtschaft nachhaltig arbeiten und produzieren.


glasstec mit ift-sonderschau: Die glasstec 2026 wird vom 20. bis 23. Oktober in Düsseldorf erneut die zentrale und impulsgebende Leitmesse für den Austausch über Zukunftsthemen der Glasbranche, mit den Hot-Topics Künstliche Intelligenz & Digitale Technologien, Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft.

Sie zeigt zudem, dass Glasprodukte für Gebäudehüllen zunehmend auch sicherheitsrelevant geplant werden. Erstmals realisieren die Messe und das ift Rosenheim als Kooperationspartner die Sonderschau "sicher – innovativ – nachhaltig", die resiliente und sicherheitsrelevante Glaslösungen, auch für geschützte Räume und kritische Infrastrukturen, in den Mittelpunkt stellt.

www.glasstec.de