Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, muss die energetische Sanierung des Gebäudebestandes nach Einschätzung der unabhängigen Energieberater deutlich schneller vorankommen. Die Ertüchtigung der Gebäudehülle spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, muss die energetische Sanierung des Gebäudebestandes nach Einschätzung der unabhängigen Energieberater deutlich schneller vorankommen. Die Ertüchtigung der Gebäudehülle spielt dabei eine entscheidende Rolle. (Foto: © Vössing)

Energieberater-Umfrage: Schlechtes Zeugnis für Sanierungs-Politik

FASSADE - Aktuell

September 2022

Eine aktuelle Energieberater-Umfrage des DEN e.V. zeigt, es herrscht großer Nachholbedarf bei energetischer Sanierung der Gebäudehülle. Jede zweite Wärmepumpe funktioniert nicht optimal.

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Nach 2021 befragte das Deutsche Energieberater Netzwerk DEN e.V. seine Mitglieder dieses Jahr erneut zum Vorankommen bei der energetischen Modernisierung des Gebäudebestands. Das Ergebnis der Umfrage ist ernüchternd. Im Großen und Ganzen hat sich die Lage laut den Energieberatern weiter dramatisch verschlechtert.

Mehr als 60 Prozent der Experten sind nicht zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung, fast 70 Prozent kommen zu dem Schluss, dass die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 nicht mehr erreicht werden kann. Einhellig sehen die Energieberatern großen Nachholbedarf bei Dämmung, Fenstertausch & Co. (96 Prozent).

Hier wird der insgesamt negative Trend deutlich, im Vorjahr lag dieser Wert bei 90,6 Prozent. Die Zurückhaltung bei der energetischen Modernisierung der Gebäudehüllen wird hauptsächlich damit begründet, dass die aktuellen Förderungsprogramme nicht ausreichend sind (80 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Wärmepumpen laufen nicht optimal

Weitere Informationen: Energiebrater-Umfrage (als PDF-Datei kostenfrei herunterladen)Die derzeitige Wärmepumpen-Offensive wird von den Energieberatern kritisch gesehen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der eingebauten Geräte funktioniere nicht wie vorgesehen. Dies liege einerseits daran, dass diese nicht fachgerecht ausgelegt worden seien (66,8 Prozent), und andererseits daran, dass die Gebäudehüllen nicht ausreichend effizient seien (65,3 Prozent).

Marita Klempnow, Vorständin des Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V., formuliert klare Forderungen: "Mit der nochmalig kurzfristigen Umstrukturierung der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) hat sich die Bundesregierung einen Bärendienst erwiesen. Immobilieneigentümern wird die Planungssicherheit genommen, und es werden die falschen Anreize gesetzt."

Und weiter: "Die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern rückt mit dem derzeitigen Kurs in weite Ferne, denn die energetische Sanierung des Gebäudebestands wird wieder auf die lange Bank geschoben. Wir brauchen eine deutliche Verringerung unseres Energieverbrauches im Gebäudebestand und nicht nur einen Ersatz der Energieträger."

Wärmepumpe ist nicht das Allheilmittel

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In Auftrag gegeben wurde die Umfrage vom Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) in Auftrag gegeben und im Zeitraum 25. Juli 2022 bis 29. August 2022 durchgeführt.

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Verbandes, formuliert angesichts der Umfrageergebnisse klare Forderungen an die Politik: "Die unabhängigen Energieberater bestätigen: gerade bei der Gebäudehülle besteht ein großer Nachholbedarf. Die Politik muss endlich auf die Strategie der Verbrauchsreduzierung im Gebäude setzen. Die Experten bescheinigen, dass die Wärmepumpe nicht, wie allgemein behauptet, das Allheilmittel ist. Die Wärmepumpe kann nur funktionieren, wenn eine taugliche Gebäudehülle vorhanden ist. Wer das nicht beachtet, hat sich einen nimmersatten Stromfresser eingebaut."

Die Initiatoren der Umfrage

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Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) e.V. ist ein Zusammenschluss hochqualifizierter Ingenieure, Architekten, Planungsbüros, Handwerksmeistern und Technikern. Die Mitglieder beziehen bei ihrer Tätigkeit keinerlei Provisionen oder sonstige zweckgebundenen Zuwendungen von Herstellern, Handwerkern oder Händlern. Das DEN hat eine Qualitätsrichtlinie für die Energieberatung im Bereich Wohngebäude erlassen, die als marktführend gilt. Der Verein wurde im Jahr 2001 gegründet, und es sind bis heute mehr als 800 Büros dem Netzwerk angeschlossen, die ihre Dienstleistungen flächendeckend in ganz Deutschland anbieten.

Der Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) repräsentiert alle an der Gebäudehülle beteiligten Gewerke. Dazu gehören Hersteller von Steinen, Fenstern, Türen, Fassaden, Putzsystemen und Dämmstoffen. Ein Schwerpunkt der Arbeit bildet die Klimapolitik: Die effiziente Gebäudehülle ist für das Erreichen der Klimaschutzziele unabdingbar und spielt sowohl bei der Wertsteigerung einer Immobilie als auch für Komfort und Gesundheit eine wichtige Rolle. Der BuVEG wurde im Jahr 2016 gegründet.


Weitere Informationen: Energieberater-Umfrage (als PDF-Datei kostenfrei herunterladen)

www.deutsches-energieberaternetzwerk.de
www.buveg.de

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