Die Fassade als Lebensraum
Der Fachverband FVHF begleitet die Entwicklung der vorgehängten hinterlüfteten Fassade hin zu mehr Biodiversität als Kompetenzplattform und greift aktuelle Forschungsansätze auf, um innovative Lösungen für die Baupraxis nutzbar zu machen.
Neben Energieeffizienz und Langlebigkeit eröffnen VHF neue Möglichkeiten, ökologische Funktionen in die Gebäudehülle zu integrieren. Der Fachverband für vorgehängte hinterlüftete Fassaden (FVHF) begleitet diese Entwicklung. Einen vielversprechenden Ansatz verfolgt aus Sicht des Verbandes Julia Larikova an der Technischen Universität München. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen sogenannte "Multispeziesfassaden", die Lebensräume für verschiedene Tierarten direkt in die Fassadenbekleidung integrieren und Biodiversität mit moderner Fassadentechnik verbinden.
Die anstehende Sanierungswelle in Europa bietet die Chance, energetische Erneuerung und ökologische Aufwertung zusammenzudenken. VHF schaffen dafür ideale Voraussetzungen: Ihr modularer Aufbau verbindet technische, gestalterische und ökologische Anforderungen.
Biodiversität als Planungsaufgabe
Axonometrisches Schema der Integration additiv gefertigter biodiversitätsfördernder Elemente in die Gebäudehülle. Foto: © Julia LarikovaDer Rückgang der Artenvielfalt macht ein Umdenken erforderlich. Gebäude werden zunehmend auch als Lebensräume für Tiere verstanden. Konzepte wie das Animal-Aided Design beziehen deren Bedürfnisse bereits in die Planung ein. Vögel und Fledermäuse nutzen Gebäude schon heute als Rückzugsorte.
Durch integrierte Nist- und Schutzelemente lässt sich dieser Lebensraum dauerhaft erweitern. Digitale Planungsmethoden verknüpfen ökologische, klimatische und architektonische Anforderungen, bevor die Bauteile additiv, beispielsweise aus Keramik, gefertigt werden. Erste Demonstrationsprojekte belegen die praktische Umsetzbarkeit und zeigen positive Effekte auf das Mikroklima.
Wissenstransfer für die Baupraxis
Solche Forschungsarbeiten verdeutlichen das Entwicklungspotenzial der VHF. Als Brücke zwischen Forschung, Planung und Praxis fördert der FVHF den Wissenstransfer und unterstützt die Weiterentwicklung der vorgehängten hinterlüfteten Fassade zu einer multifunktionalen Gebäudehülle für klimaresiliente und lebenswerte Städte.
Kooperationsprojekt
Der Prototyp "Nistfassade" ist eine Kooperation der Professur für Digitale Fabrikation und dem Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie der Technischen Universität München im Rahmen der EU-Projekte ECOLOPES und Creating NEBourhoods Together.
Unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Artenschutz und Technik, dem Industriepartner Tonality GmbH und der Feierwerk Südpolstation. Das Projektteam: Professur für Digitale Fabrikation: Prof. Dr. Kathrin Dörfler, Julia Larikova, Niklas Ebert, Yaxi Wang; Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie: Prof. Dr. Wolfgang Weisser, Dr. Fabio Sweet.
Weitere Informationen: https://v-h1.de/SDQd
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